• Kultur
  • Diese Boys sind seit 25 Jahren Tocotronic

    Von Anne-Dorette Ziems

    Die Hamburger machten mit ihrem zwölften Studioalbum „Die Unendlichkeit“ das Werk II unsicher. Ein Konzertbericht mitten aus der pogenden Menge.

    Vor dem Werk II tummeln sich sowohl Fans der ersten, aber auch viele Fans der eher zweiten oder dritten Stunde, die – wie ich – zur Gründung Tocotronics 1993 gerade erst geboren wurden. Das Konzert ist ausverkauft. Deswegen sind außerdem noch einige Fans anzutreffen, die kein Ticket mehr ergattern konnten und mit gebastelten Pappschildern darauf hoffen, dass ihnen noch jemand eins verkauft. In der Menge angekommen kämpfen wir uns bis fast ganz nach vorn und sind dann aber trotzdem empört, als sich ein Riese mit Vokuhila und grünem T- Shirt (Hallo Hulk) mit dem typischen „darf ich mal kurz vorbei“ direkt vor uns drängelt. Klassische Doppelmoral. Passiert den besten. Auf unsere irritierten Blicke entgegnet er nur: „Ab Lied drei könnt ihr hier eh nicht mehr steh’n – außer ihr wollt tanzen.“ Er sollte Recht behalten.

    Lässige Gitarren-Solos von Rick McPhail

    Rick McPhail ist seit 2004 Gitarrist bei Tocotronic

    Ab der Kombi „Electric Guitar“ (aus dem aktuellen Album „Die Unendlichkeit“) und „Let there be Rock“ (Klassiker aus dem Album „K.O.O.K.“ von 1999) gibt es vor der Bühne kein Halten mehr. Aber natürlich wollen wir tanzen. Also eigentlich eher eine Mischung aus tanzen, springen, uns in der Gegend rumschubsen lassen – wie auch immer man das nennen mag. Das Publikum blieb trotz einiger ruhigerer Stücke permanent in Bewegung. Hits wie „Aber hier leben nein danke“, der wie von Sänger Dirk von Lowtzow in der Anmoderation vermutet gerade in Connewitz besonders gut ankommt, oder „Hi freaks“ halten den Pogo permanent auf dem Höhepunkt. „Hulk“ treffen wir noch diverse Male wieder – im wahrsten Sinne des Wortes.

    Schwerelos bei Tocotronic

    Die Tocotronic-Fans ließen mehrere Crowdsurfer über sich schweben

    Tocotronic eröffneten getreu dem Album mit „Die Unendlichkeit“ und endeten mit „Alles was ich immer wollte war alles“. Danach gab es allerdings noch multiple Zugaben für das textsichere, tanzende, crowdsurfende Publikum, welches nicht genug von dieser fetten Fete bekommen konnte.

    Mit durchgeschwitzten Klamotten,  heiseren Stimmbändern, und einigen Gehirnzellen weniger (passiert, wenn man beim Tanzen immer mit seinem Kopf auf Schulter- oder Ellbogenhöhe der hauptsächlich männlichen Pogo-Truppe ist) verlassen wir das Werk II glücklich in Richtung Leipziger Nachtleben. Bleibt nur zu hoffen, dass Tocotronic bis in die Unendlichkeit Konzerte spielen.

     

    Fotos: Gesine Münch