• Film
  • Von Traditionen und Heimat

    Von Luise Bottin

    „Das etruskische Lächeln“ beginnt mit wunderschön vernebelten Landschaftsaufnahmen der Äußeren Hebride und man merkt sofort: Von stimmungsvoller Atmosphäre versteht man hier was!

    Und wie könnte es anders sein, wenn sechsfacher Oscar-Gewinner und Produzentenlegende Arthur Cohn am Werk ist? Mit „Das etruskische Lächeln“ schenkt er uns einen wundervollen Film über einen grantigen alten Mann, dessen Leben durch die Liebe zu seinem kleinen Enkel eine unerwartete Wendung nimmt. Bitte nicht gleich aufstöhnen, ihr harten Kritiker eines allzu bekannten Weihnachtsklassikers, es bleibt die einzige Gemeinsamkeit!

    Rory MacNail (Brian Cox) erwartet nicht mehr, dass in seinem Leben noch etwas Schönes passieren wird. Er geht in seiner schottischen Heimat dem immer gleichen Tagesablauf nach – bis er aus gesundheitlichen Gründen seine abgelegene Insel verlassen und zu seinem Sohn Ian (JJ Field) nach Amerika reisen muss, der mit Frau (Thora Birch) und Kind in San Francisco lebt. Fünfzehn Jahre haben sie sich nicht gesehen und es dauert nicht lange, bis alte Wunden zwischen Vater und Sohn aufreißen… Nur die Liebe zu seinem kleinen Enkel Jamie zeigt Rory am Ende, worauf es im Leben wirklich ankommt.

    Selfie Time

    Familienausflug in malerischer Landschaft

    Brian Cox spielt ihn wunderbar, den grantigen Alten, der so viel besser in die schottische Einöde passt als zwischen die Wolkenkratzer San Franciscos. Mit der persönlichen Haushaltshilfe kann er ebenso wenig anfangen wie mit dem Beruf seines Sohnes, der als Molekulargastronom arbeitet. (Übrigens werden bei seinem Anblick alle Tom-Hiddleston-Fangirls ins Schwärmen geraten! Trust me, just google JJ Field…) Überfordert von der Stadt, seiner Krankheit und der modernen Welt versucht Rory, seine Familie richtig kennen zu lernen und ihnen fast vergessene schottische Traditionen nahe zu bringen.

    Obwohl der Film zum Großteil in San Francisco spielt, ist es die schottische Landschaft, die hier fasziniert, und das idyllische Leben auf den Äußeren Hebriden. Jeden Morgen im Atlantik schwimmen, Holz hacken, abends ein Bier im Pub… Man bekommt glatt ein bisschen Fernweh bei den tollen Aufnahmen.„Das etruskische Lächeln“ ist kein Film, der über die Maße begeistert, aber das soll er auch gar nicht sein. Er lebt vielmehr von liebenswerten Charaktere, die kein einziges Klischee bestätigen, und der umwerfenden Darstellung von Heimat und Zugehörigkeit.Der Film ist keine Komödie, kein Familiendrama, sondern irgendwas dazwischen. Und obwohl er voller Verlust, Einsamkeit und Trauer ist, verlässt man den Kinosaal mit einem Lächeln. Denn was man mitnimmt, ist der Gedanke an Liebe – zur Familie und zur Heimat.

    In den Kinos ab: 12. April 2018

     

    Fotos: Copyright 2018 Constantin Film Verleih GmbH