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  • Wie findet man die Liebe, die ewig hält? – Eine Dokumentation sucht nach Antworten

    Sophie Roßberg

    55 Jahre kommen einem wie eine Ewigkeit vor – und dann noch mit einem einzigen Partner. Die Dokumentation „Die Nacht der Nächte“ hat Ehepaare nach einem halben Jahrhundert Ehe besucht.

    Es ist eine Frage, die vielen schon durch den Kopf ging: Wie kann eine Beziehung 50 Jahre lang halten? Wie haben Oma und Opa das geschafft? Wird es nicht irgendwann langweilig? Heute ist das Leben schnelllebiger, globaler und Goldene Hochzeiten werden zum Auslaufmodell. Die Schwestern Yasemin und Nesrin Şamdereli (Almanya – Willkommen in Deutschland) haben sich genau diese Fragen auch gestellt. Selbst beantworten können sie sie jedoch nicht und haben sich vier sympathische Ehepaare gesucht, die in der Dokumentation „Die Nacht der Nächte“ mit unverblümter Ehrlichkeit und Freude die Geschichte ihrer Liebe erzählen.

    Die Nacht der Nächte in Deutschland

    Jeden Morgen gemeinsam Frühstücken…

    Die Beantwortung der Fragen steht aber nach dem Kinobesuch aus. Die Dokumentation taucht vielmehr in das (private) Leben der Eheleute ein und dokumentiert ihre persönlichen Liebesgeschichten. Eine Eheberatung bieten die Filmemacher dabei nicht an. Es scheint aber auch nicht ihre Intention zu sein, eine einzige klare Antwort zu formulieren. Denn jeder liebt nun mal anders und das zeigt die Dokumentation deutlich. Um diesen Effekt zu erreichen, bedienen die Schwester sich der Emotionen. Bedrückt ist der Kinobesucher, sobald sich das zwangsverheiratete Pärchen aus Japan auf der Leinwand zu Tode zu schweigen versucht, aufgeheitert wird er durch das homosexuelle Paar aus den Staaten oder den indischen Eheleuten, die gegen die Kaste, also gegen die gesellschaftliche Norm, heirateten.

    Die Nacht der Nächte in den USA

    …und gemeinsam Ausflüge unternehmen…

    Verkrampft ist jedoch keiner, weder Zuschauer noch Protagonist. Alles ist locker, leichtfüßig und jugendfrei. In einer Welt von Tinder und Co. mag es altbacken klingen, dass alle Protagonisten erst in der Nacht der Nächte intim geworden sind und sie nicht so recht wussten, ob das Unterhöschen ausgezogen werden muss. Der Zuschauer fühlt sich wie am Kaffeetisch der Oma, die in ihrer Jugend schwelgt und erzählt. Die Lachfalten und Tränendrüsen werden dabei abwechselnd beansprucht.

    Die Nacht der Nächte in Japan

    …und nach der Goldenen Hochzeit immer noch eingehakt spazieren gehen.

    Ob es am Ende ein Happy End(e) wird, ist logischerweise schon von vornherein klar. Die vier Beispielehen sind noch nicht geschieden und das gibt dem Kinobesucher schließlich Mut, an die lange Beziehung zu glauben. Denn alle vier haben ihr Glück gefunden und könnten sich ein Leben ohne die bessere Hälfte nicht vorstellen. Es ist ein Hoch auf die Liebe, die manchmal mehr kostet, als man sich zunächst vorstellen kann. Das stellt wohl die Moral der Dokumentation dar, dass nicht alles immer Friede, Freude, Eierkuchen ist, man es aber mit dem oder der Richtigen bis zur Goldenen Hochzeit durchaus schaffen kann.

     

    In den Kinos ab: 5. April 2018

     

    Fotos: Copyright 2018 Concorde Filmverleih GmbH