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  • Von Atari bis Zelda

    Dominica Kaluza

    Noch bis Ende April kann in Leipzig ein Teil der größten Computerspielesammlung der Welt besichtigt werden.

    Im Heimatverein von Leipzig Holzhausen kann seit Mitte März eine Ausstellung historischer Spielekonsolen besichtig werden. René Meyer, Besitzer der Sammlung und Computerspiele-Experte, organsierte die Ausstellung mit Hilfe des Heimatvereins. Des Weiteren wird es am 18. April einen Vortrag des Sammlers persönlich zur Entwicklung der Computerspiele geben.

    Computer vor 30 Jahren

    Vorgänger des MacBooks – der Apple Macintosh Plus von 1986

    Neben Spielekonsolen, Heimcomputern und Elektronikgeräten gibt es auch Computerspiele und Spielezeitschriften zu entdecken. Zwischen den etwa zwanzig Eröffnungsbesuchern, unter denen sich neben den Organisatoren auch ein Kamerateam und die Familie des Sammlers befinden, und den über 200 Stücken findet sich kaum noch Platz zum Treten. Dabei umfasst die Ausstellung gerade mal ein Prozent der Sammlung, die René Meyer in über 30 Jahren aufgebaut hat. Dazu gehören über 40 Regalmeter an Zeitschriften und knapp 3000 Bücher. Auf seinen Wanderausstellungen ist dabei hingegen immer nur ein kleiner Teil zu sehen, je nachdem was am Ausstellungsort eben möglich ist. In diesen Räumlichkeiten wurde zum Beispiel von den vielen Bilderrahmen Gebrauch gemacht, in denen Erstausgaben von verschiedenen Computer- und Spielezeitschriften zu betrachten sind. Auf einem Tisch in der Ecke steht ein kastenartiger Bildschirm mit zwei Kontrollern und einem verpixelten Spiel. In der größten Vitrine gibt es passend zur Weltmeisterschaft in diesem Jahr alles zum Thema Fußball, sogar elektronische Spielzeuge, die nur aus einem aufgemalten Feld und blinkenden Lichtern bestehen. Sie erinnern nur noch entfernt an Computer, passen aber gut zur gesamten Atmosphäre der Sammlung. Zwischen den Ausstellungsstücken wandern Besucher herum, trinken Sekt und Unterhalten sich angeregt mit dem Mann, der das alles auf die Beine gestellt hat.

    Es ist interessant zu sehen, was alles unter den Begriff Computer fallen kann. Alte Rechner wirken ohne Bildschirm eher wie überdimensionale Kassettenspieler. Neben Konsolenspielen, von denen man selbst noch nie gehört hat, finden sich klassische Figuren wie Mario, der sich in den letzten zwei Jahrzehnten nicht stark verändert hat. Besonders die Nintendo-Virtual-Realitybrille regt zum ausprobieren ab, aber leider befindet die sich hinter Glas. Und verursacht anscheinend grauenhafte Kopfschmerzen; zumindest informiert darüber der Zettel neben dem Gerät. Ähnliche Infoblätter befinden sich neben weiteren Geräten und Spielen. Bei weiteren Fragen kann gerne der Besitzer gefragt werden, der von Berufs her ein Experte zu Computerspielen und allem was dazugehört, ist.

    Alter Computer aus DDR-Zeiten

    Der verbreitestete Heimcomputer der DDR: der KC 85 von 1985

    Aussteller René Meyer hat mittlerweile mehrere Bücher zum Thema Computer verfasst und betreibt eine eigene Internetseite für Computerspielechats. Als Sammler bezeichnet er sich selbst auch als Generalist, er „findet alles cool, hat von allem etwas und von nichts alles“. Das zeigt sich auch bei der Ausstellung, wo weder in Jahrgang, Marke noch Genre eine Gemeinsamkeit bei allen Ausstellungsstücken gefunden werden kann. Alles hat eben nur irgendwie mit Computern zu tun.

    Meyers Sammlerleidenschaft begann schon in der DDR. Da ein Heimcomputer damals für einen einfachen Studenten unbezahlbar war, schlich er sich oft in die Computerzentren der Uni Leipzig, um auf den dortigen Rechnern das Programmieren zu lernen. Nach der Wende kaufte er sich dann billig einen eigenen DDR-Computer. Als Meyer merkte, wie viel er in den 80ern und 90ern an Computerfortschritt verpasst hatte, begann er, auch alte Spielkonsolen wie Atari und Nintendo zu kaufen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Daraus entstand mit der Zeit schließlich die größte Spielkonsolensammlung der Welt, die 2007 im Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wurde. Eines der ältesten Stücke, ein KC 85 von VEB Mikroelektronik von 1985, stammt sogar aus einem der Universitätsrechenzentren. Die Sammlung wächst dabei immer noch weiter, da viele ihre alten Geräte spenden, so werden sie zumindest genutzt anstatt „in irgendeinem Museumskeller zu verstauben“. Auch neue Stücke finden ihren Platz in der Sammlung, da Meyer „keine Unterscheidung zwischen alt und neu“ trifft und „was heute neu ist, ist in zwanzig Jahren auch alt.“

    Neben solchen kleineren Ausstellungen begründete Meyer die „Lange Nacht der Computerspiele“ an der HTWK Leipzig. Inzwischen hat er die Organisation aber an die Hochschule abgegeben, auch wenn er immer noch mit ausstellt. Das nächste Mal findet sie am 21 April statt.

     

    Der Eintritt zur Ausstellung beträgt einen Euro. Besucher können noch bis zum 22. April immer sonntags von 14 bis 17 Uhr und während weiterer Veranstaltungen des Heimatvereins alles rund um die Spiele entdecken