• Kolumne
  • Über Erkenntnisse und Auffälligkeiten

    Annika Seiferlein

    Ihr fränkischer Dialekt hat Kolumnistin Annika von Nachahmungsversuchen bishin zu nachdenklichen Blicken schon so manche komische Situation beschert. Ihr Fazit: Basst scho!

    „Du hast voll den schönen Dialekt!“ – Einer der Momente, die ich wohl nie vergessen werde. Da habe ich, die kleine Zwölfjährige aus dem fränkischen Dorf, erstmal gestutzt. Ich und Dialekt? Damals habe ich darauf überhaupt nicht geachtet.  Ist das nicht normal wie ich spreche? Für mich war das nie etwas, das auffällig an mir war. Doch einmal außerhalb der mittelfränkischen Verbreitungszone, damals in Erfurt, fällt man dann doch auf. Dabei muss auch ich meist genauer hinhören, wenn manch ältere Personen aus meinem Dorf mit mir reden. Seit ein paar Jahren höre ich nun genauer hin. Was mache ich anders? Wo liegen Unterschiede? Wann spreche ich wie und wo verändert sich meine Aussprache?

    So ist mir zum Beispiel erst im Nachhinein bewusst geworden, dass „desderwegen“ nicht in eine Deutschklausur gehört. Auch ist mir klar geworden, wie sehr meine Aussprache anders ist, als in Berlin jemand meinen Dialekt nachahmen wollte und es einfach nicht geschafft hat.

    Kolumnistin Annika Seiferlein

    Kolumnistin Annika Seiferlein

    Vor allem aber seitdem ich nach Leipzig gezogen bin, prägt es meinen Alltag immer wieder. Egal ob Professoren, Interviewpartner oder Kommilitonen – manch einer hat schon meinen Dialekt erkannt oder zumindest gefragt, woher ich eigentlich komme, weil ich „das ‚r‘ so schön rolle“.  Meist wird dies nur kurz bestätigt oder ich sage, aus welcher Gegend ich komme. Nun ja, das war es dann eigentlich auch schon. Trotz dieser kurzen Momente weilt die Situation meist doch noch länger in meinem Kopf. Oft schmunzle ich darüber einfach, denn Nachfragen stören mich nicht. Dennoch bin ich gewohnt, eher im Hintergrund zu stehen und versuche meist nicht aufzufallen. Durch meinen Dialekt scheint das nun nicht mehr wirklich möglich zu sein. Wörter, die sonst selbstverständlich für mich waren, fallen auf einmal aus dem Muster. So bemerke ich immer öfter, wenn ich „scho“, „gell“ oder „ne“ benutze. Manche meiner fränkischen Freunde achten sogar explizit darauf, nicht fränkisch zu sprechen. Sie finden, dass es sich nicht gebildet genug anhört und wollen eben nicht mit dem mittelfränkischen Stereotypen assoziiert werden. Auch habe ich schon das ein oder andere Mal mitbekommen, wenn jemand ein Kompliment bekommen hat, weil er keinen Dialekt hat oder man ihn nicht heraushört.

    Bei dem Ganzen überlege ich natürlich auch, wie ich selbst mit dem Thema umgehen soll. Soll ich mich darauf trimmen, Hochdeutsch zu sprechen? Selbst wenn dies möglich wäre, mein rollendes „r“ werde ich wohl nie los. Das bin nun einmal ich und es gehört zu mir. Ich bin jedoch schon gespannt darauf, ob und was sich an meiner Aussprache ändern wird, da ich nun in einem anderen Umfeld unterwegs bin.

    Letztendlich finde ich, dass Sprache zwar viel ausmacht, aber schließlich ist es nur Sprache und es kommt darauf an, wie man sie verkörpert. Ich selbst sollte viel öfter einfach reden anstatt darüber nachzudenken, wie sich das jetzt anhören könnte. Am Ende kommt es doch darauf an, dass der Kommunikation nichts im Wege steht. Und das kriegt man immer irgendwie hin.

     

    Titelfoto: Annika Seiferlein