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  • Nicht immer ist guter Rat teuer

    Dagny Kühner

    Stress im Studium? Professionelle, kostenlose Hilfe gibt es bei Beatrix Stark (StuRa) und Ruth Dölemeyer (Studentenwerk). Ein Porträt über zwei Frauen, die euch beratend zur Seite stehen.

    „Manchmal besteht ein Beratungsgespräch aus zwei Stunden Weinen, aber auch das kann helfen“, berichtet Beatrix Stark. Seit etwa drei Jahren ist sie als psychosoziale Beraterin des StuRa tätig und ist in dieser Zeit vielen Studierenden mit ebenso vielen Anliegen begegnet. „Jeder kann mit jedem Problem zu mir kommen“, erklärt sie. „Ich sehe mich als Wegweiser, der Möglichkeiten zur Problembewältigung aufzeigt.“ Über die nötigen Kenntnisse für ihre beratende Tätigkeit verfügt Beatrix durch ihr Psychologiestudium, langjährige Mitarbeit in einer therapeutischen Praxis und verschiedenen Weiterbildungen zu den Themen Stress und Entspannung.

     

    Ein offenes Ohr für jedes Thema

    Einerseits werden psychische Belastungen durch das Studium hervorgerufen. „Häufig leiden Studierende darunter, dass andere die Anforderungen scheinbar viel besser und mühelos meistern. Hinter deren perfekte Fassade blicken kann man allerdings nicht. Außerdem besteht der Druck, besser sein zu müssen als andere, oft schon bevor überhaupt eine Prüfung geschrieben wurde“, erzählt Beatrix. Besonders für Studienanfänger ist die Anonymität an der Hochschule ein weiterer Grund, bei Beatrix Rat einzuholen. Nicht immer ist es einfach, Anschluss zu finden und auf andere zuzugehen, besonders wenn im Studiengang insgesamt wenig Zusammenhalt herrscht. Doch auch familiäre Probleme sind eine mögliche Ursache für Belastung, genauso Erkrankung oder Tod eines Angehörigen. Das Gespräch mit einer fremden Person erspart es zudem, sich bei intimen Themen wie Liebeskummer im persönlichen Umfeld eine Blöße zu geben. „Ganz besonders auch Angehörige und Freunde sind willkommen, wenn sie merken, dass es einer Person aus ihrem Umfeld schlecht geht.“ Manche Themen, wie Suizidgedanken, gehen unter die Haut. In diesen Fällen profitiert Beatrix sehr von der engen Vernetzung mit anderen Beratungsstellen, besonders mit der des Studentenwerkes. „Wir tauschen uns schon im Vorfeld aus, damit wir in jedem Einzelfall optimal Hilfe leisten können.“

    Beatrix Stark an ihrem Arbeitsplatz (Foto: Dagny Kühner)

    Beatrix Stark an ihrem Arbeitsplatz (Foto: Dagny Kühner)

     

    So läuft eine Beratung konkret ab

    Alle Beratungsangebote zielen darauf ab, möglichst zu sein. „Ich versuche, innerhalb der nächsten sieben Tage ein Gespräch anzubieten“, erklärt Beatrix. Außerdem unterliegen alle Berater der Schweigepflicht. Weder Universität noch Krankenkasse erfahren von der Inanspruchnahme der Beratung. Auch eine Beratung per Mail ist prinzipiell möglich, allerdings weniger effizient als ein persönliches Gespräch. „Die meisten Studierenden kommen zu einem vereinbarten Termin, aber in der offenen Sprechstunde am Freitag bin ich aber auch ohne Voranmeldung zu erreichen“, erklärt Beatrix. In den Gesprächen hört sie zunächst die Geschichten der Ratsuchenden an. Gemeinsam werden die Probleme in Bereiche unterteilt und für jeden Bereich eine oder mehrere mögliche Strategien aufgelistet. Der Vorteil der Beratung liegt für Beatrix in der Freiwilligkeit. „Es gibt überhaupt kein Muss. Es geht darum, Tipps und Anregungen zu geben. Jeder entscheidet im Anschluss selbst, ob und was er davon umsetzt.“ Wenn sich jemand nach dem Beratungsgespräch dafür entscheidet, eine Therapie zu beginnen, steht Beatrix auch hier mit Rat und Tat zur Seite.

     

    Beratung durch approbierte Therapeuten

    Die psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerkes unter Leitung von Ruth Dölemeyer gibt es seit August 2012. Sie arbeitet im Auftrag des Studentenwerkes, unterhält eine Kooperation mit der Medizinischen Fakultät und ist für Studierende aller Leipziger Hochschulen zuständig. Die Einzelberatung wird hier um Gruppenangebote ergänzt: Offene Gruppen können ohne Voranmeldung besucht werden, geschlossene Gruppen erst nach einem Einzelgespräch. Themen der Gruppen sind hauptsächlich Aufschiebeverhalten, Prüfungsangst und Stressreduktion. Inhaltlich bestehen die Gruppensitzungen aus Psychoedukation und dem Erlernen von Strategien, um die Probleme besser zu meistern. Gemeinsam sollen auch die individuellen Hintergründe der Problematik aufgedeckt werden, beispielsweise: „Warum schiebe ich auf?“ Für viele Teilnehmer ist es erleichternd zu erkennen, dass sie mit ihren Schwierigkeiten nicht alleine sind und andere ähnliche Probleme haben.

    Psychosoziale Beratung bei Ruth Dölemeyer (Foto: Swen Reichhold / Universität Leipzig)

    Psychosoziale Beratung bei Ruth Dölemeyer (Foto: Swen Reichhold / Universität Leipzig)

     

    Ein Erfahrungsbericht

    Die Teilnahme an der Arbeitsstörungsgruppe hat auch Eva geholfen, die vor ihrer Diplomprüfung körperlich und seelisch an ihre Grenzen stieß. „Es dauerte eine Weile, bis ich auf den Gedanken kam, dass ich professionelle Hilfe in dieser Angelegenheit brauche. Als der Entschluss gefasst war, fiel es mir aber nicht schwer, diese zu suchen und in Anspruch zu nehmen.“ Zusätzlich zur Gruppe nahm Eva die Höchstzahl von zehn Beratungsterminen in Anspruch. Damit ist sie eine von 721 Studierenden, die 2016 die Beratungsstelle aufsuchten. Insgesamt verdreifachten sich die Beratungszahlen im Vergleich zu 2013 auf 2105 Einzelberatungen. Sofern möglich soll künftig das größtenteils über Semesterbeiträge finanzierte Beratungsangebot mit der Nachfrage mitwachsen. „Wir freuen uns besonders, wenn Studierende zu uns kommen, die Empfehlungen von ihren Bekannten bekommen haben“, sagt Dölemeyer. „Das bedeutet, dass über die Probleme gesprochen wird. Außerdem ist es gut, dass nicht nur Studierende mit einem hohen Leidensdruck zu uns kommen, sondern auch immer mehr in frühen Studienabschnitten. Dann können wir so zeitig wie möglich helfen.“ Eva zieht aus ihrer Beratungserfahrung ein sehr positives Fazit. „Ich habe nicht genau gemerkt, wann und wie das passiert ist, doch ich hatte meine Prüfungsangst und mein Lernverhalten tatsächlich viel besser im Griff. Die Lernphase war immer noch schrecklich, aber ich wurde davon nicht mehr so angegriffen und habe alle Prüfungen im ersten Anlauf bestanden.“ Studierende der HMT können ein speziell auf die hohe Arbeitsbelastung und die besonderen Prüfungssituationen zugeschnittenes Beratungsangebot nutzen, das auch das Erlernen von Entspannungsverfahren und den Umgang mit Lampenfieber beinhaltet.

    Semilesung "Lernstrategien" mit Beatrix Stark (Foto: Dagny Kühner)

    Semilesung „Lernstrategien“ mit Beatrix Stark (Foto: Dagny Kühner)

     

    Synthese aus Vorlesung und Seminar

    Die häufige Konfrontation mit Lernproblemen und Schwierigkeiten bei der Selbstorganisation brachte Beatrix auf die Idee, mit ihrem Wissen direkt auf die Studierenden zuzugehen. So entstand das Konzept der „Semilesungen“, in denen sie gemeinsam mit Marco Fehl, Sportpädagoge und Dozent der Uni Leipzig, Themen wie Lernstrategien, Stressbewältigung und Prüfungsvorbereitung vorstellt. Die Semilesungen werden jedes Semester angeboten, ebenso in der Einführungswoche, und erhalten laut Beatrix ein sehr positives Feedback von den Teilnehmenden. Angesprochen werden oft noch unbekannte oder vernachlässigte Themen um präventive Wirkung zu erzielen. Doch auch wenn die Prüfungen direkt vor der Tür stehen, wissen Beatrix und Marco Rat. In der dritten Sitzung geht es darum, geistig und körperlich fit für die Prüfung zu werden – egal wie gut oder lückenhaft die Vorbereitung war. Begleitend bieten Beatrix und Marco ab der ersten Semilesung einen Online-Kurs mit vertiefenden Übungen an.

    Die offene Sprechstunde von Beatrix Stark ist freitags von 12:30 bis 13:30 Uhr im Raum S001 oder telefonisch unter: 0341 – 97 37 869.

    Die Termine der Semilesungen im Sommersemester werden auf der Website und auf Facebook angekündigt.

    Die offene Einzelberatung des Studentenwerks findet dienstags 13:30 bis 14:30 Uhr sowie donnerstags 9:00 bis 11:00 Uhr im Center for Social Services (Gutenbergplatz 4) und der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Semmelweisstraße 10) statt.

     

    Grafik: Marie Nowicki