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  • Ich bin dir nie begegnet, aber ich suche dich

    Luise Bottin

    „Your Name“ ist eine absolute Filmempfehlung

    Da war er also, der Tag, an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Anime sehen sollte. Jahrelang habe ich mich gedrückt vor allseits beliebten Serien wie „Naruto“ oder „Pokémon“, selbst Klassiker wie „Chihiros Reise ins Zauberland“ blieben von mir unberührt. „Das ist nicht so mein Fall“, habe ich immer entschuldigend gemurmelt, wenn ich wieder mal davon überzeugt werden sollte. Doch dann war da „Your Name“ – mit einer Bewertung von 8,5 in der Internet Movie Database und Kritiken à la „ Es ist die Geburt eines Meisterwerkes“ dachte ich mir, das sei bestimmt ein guter Film zum Anime-Einstieg. Und lag damit richtig und falsch zur selben Zeit. Denn obwohl mich „Your Name“ von der ersten Sekunde an überzeugt hat, ist dieser Film nicht nur für Neulinge des Genres eine absolute Empfehlung!

    Schon das Intro sorgt für Gänsehautmomente –  Musik und Bild bilden hier erstmals die wunderschöne Einheit, die den ganzen Film über andauern wird. Anfangs ist die Comic-Optik für mich ungewohnt (schließlich kenne ich neben fotorealistischen Filmen höchstens die Werke der großen Animationsstudios), aber schon bald taucht man mitten hinein in die humorvoll inszenierte und kurzweilige Handlung.

    Gestern heute für immer

    Mitsuha lebt gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Großmutter in einer ländlichen Kleinstadt Japans. Insgeheim beklagt sie ihr abgeschiedenes Dasein in der Provinz und wünscht sich ein aufregendes Leben in der Großstadt: „Im nächsten Leben will ich ein gutaussehender Junge in Tokio sein!“ Genau so einer ist Taki. In der Millionen-Metropole lebt er mit seinem Vater, verbringt viel Zeit mit seinen Freunden und jobbt neben der Schule in einem italienischen Restaurant. Eines Tages scheint Mitsuha einen Traum zu haben, in dem sie sich als Junge in Tokio wiederfindet. Parallel macht Taki eine ähnliche Erfahrung: Er findet sich als Mädchen in einer Kleinstadt in den Bergen wieder. Doch wie kommt es zu dieser schicksalhaften Verstrickung und welches Geheimnis verbirgt sich wirklich hinter den Träumen der beiden Teenager?

    Ohne zu viel zu verraten, darf ich sagen, dass „Your Name“ alle Genregrenzen sprengt: Als fantasievolles Abenteuer-Mystery-Freundschafts-Drama könnte man es wohl noch am ehesten beschreiben. Zeitreise-Elemente kommen ebenso vor wie Action, Romantik und Humor. Ein weiteres Thema des Films ist unbekannte Sehnsucht nach etwas – oder jemandem. Auf berührende und geradezu poetische Weise entspinnt sich die Geschichte, die einem beim Zuschauen gleich mehrfach das Herz bricht. Es mag meine Naivität als absoluter Anime-Neuling aus mir sprechen, aber die visuell ansprechende und detailverliebte Atmosphäre, unabhängig vom Handlungsort, ist bemerkenswert: Das stickige Tokio mit seinen überfüllten Zügen scheint ebenso zum Greifen nah wie das ländlich idyllische Itomori.

    Fazit: ein unglaublich schönes und bildgewaltiges Kinoereignis, das jedes einzelne meiner Anime-Vorurteile zerschlagen hat. Und wer weiß? Vielleicht geht es für mich bald mit Chihiro ins Zauberland.

    ACHTUNG: „Your Name“ wird in Leipzig  NUR am 11. und 14. Januar 2018 gezeigt! Im CineStar läuft der Film an beiden Tagen in der deutschen Synchronfassung, und am 14. Januar um 20 Uhr zusätzlich in der japanischen Originalversion mit deutschen Untertiteln. Das Cineplex zeigt ihn am 11. Januar um 20 Uhr und am 14. Januar um 17:30 Uhr in deutscher Synchronfassung.

     

     

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