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  • Wenn es nicht nur um „Sein oder nicht sein?“ geht

    Von Patricia Stövesand

    Shakespeares Blockbuster Hamlet neu inszeniert

    „Etwas ist faul im Staate Dänemarks “, verkündet Hamlet zu Beginn des ersten Akts. In knapp 70 Minuten erfährt der Zuschauer, was es mit Hamlets Vorahnung auf sich hat und steigt in eine Welt voller Verrat, Liebschaften und Morde ein.

    Der kleine Raum, in dem die rund 20 Zuschauer sitzen, wird abgedunkelt. Es spielt leise Musik, hinter dem weißen Bühnenvorhang kann man Bewegungen erkennen. Ein Schauspieler tritt aus dem Schutze des Vorhanges hervor, er trägt eine kleine Leuchte auf der Stirn. Von Zuschauer zu Zuschauer wandelt er, schaut sich jeden genau an. Verharrt. Starrt in die Dunkelheit. Die eben noch genutzte Getränkebar verwandelt sich nun zu einer Grabstätte, an der der Geist des verstorbenen Königs Hamlet den Wachen erscheint. Während der Vermählung des neuen Königs Claudius (Knut Holburg) mit der Königin, wird der Sohn des königlichen Beraters Polonius, Laertes (Jens Wehr), von ihm nach Frankreich entsandt. Prinz Hamlet (Jane Engelbrecht) bittet er darum, sein Studium nicht wieder aufzunehmen. Gefangen in Verzweiflung formuliert Hamlet seinen berühmten Monolog, in dem er die Frage nach dem Dasein auf der Welt stellt und die Verachtung gegenüber seiner Mutter zum Ausdruck bringt. Bevor Laertes seine Schwester Ophelia (Cathleen Casta) vor Liebschaften mit Hamlet warnen kann, hört man drei Schauspieler hinter dem Bühnenvorhang streiten, die versuchen sich auf ihr Stück vorzubereiten. „Oh, du bist ja eine Absatzgröße gewachsen.“, darf sich eine von den anderen der Truppe anhören.

    Hamlet erfährt von seinem Freund Horatio (Kurt Hinkefuß), dass dieser den Geist des verstorbenen Königs gesehen hat und begegnet ihm bei einer weiteren Nachtwache selbst. Er erfährt von dem Mord an dem alten König durch dessen Bruder Claudius. Hamlet wird zur Rache aufgefordert und beginnt ein Theaterstück zu inszenieren. An dieser Stelle darf der Zuschauer die drei wundersamen Schauspieler bewundern, die in Leo-Leggings und Putzkittel versuchen für ihr Stück zu proben. Was es mit der Inszenierung dieser seltsamen Truppe auf sich hat, ob und wie Hamlet Rache an Claudius nimmt und wer am Ende überlebt, bleibt an dieser Stelle offen.

    Dramaturgisch von Janna Kagerer umgesetzt und in der Regie von Knut Holburg unterstützt, schafft es Hamlet eine originelle und moderne Inszenierung zu sein, die viel mehr tut, als den Stoff des 1601 verfassten Werkes darzustellen. Schattenspiele, Musikeinspiele und stereotypische Charaktere sorgen für den ein oder anderen Lacher zwischendurch. Starke schauspielerische Leistungen und auf den Punkt gesetzte Pausen, untermalen die ernsten Passagen dieses Stückes. Auch wenn die Inszenierung im Gesamten eher schlicht und einfach wirkt, so treffen ihre Worte zielsicher jeden Zuschauer. Ein Stück, dass mehr ist, als nur eine lapidare Abendbeschäftigung.

     

    Weitere Vorstellungen am 15./16.12.17 und am 23./24.02.18 jeweils um 20 Uhr und am 25.02.18 um 17 Uhr in der Schönbachstraße 71 in Leipzig Stötteritz

     

    Foto: Knut Holburg