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    Von Anton Kästner

    „Ce qui nous lie" bei den Französischen Filmtagen in Leipzig 2017

    Wie muss es sein, nach zehn Jahren Weltreise zum ersten Mal wieder nach Hause zu kommen? Man selbst hat sich verändert, hat Dinge gesehen und erlebt, die den eigenen Horizont davor bestimmt überschritten hätten. Aber zuhause, hat sich da auch etwas geändert? Will man das überhaupt? Und ist das denn noch „zuhause“?

    Diese Fragen stellt sich Protagonist Jean (Pio Marmaï) in Cédric Klapischs Film „Ce qui nous lie“ (deutscher Titel: Der Wein und der Wind) , als er nach zehn Jahren zurück an seinen Heimatort im Burgund kommt, weil sein Vater im Sterben liegt. Seitdem ihre Mutter gestorben ist, bauen sich auch Jeans Geschwister Juliette (Ana Giardot) und Jérémie (François Civil) ein eigenes Leben auf, womit allerdings beide so ihre Schwierigkeiten haben. Während Juliette versucht in ihre Rolle als neue Chefin des Familien-Weinguts hineinzuwachsen, hat der schon verheiratete Jérémie mit einem überdominanten Schwiegervater zu kämpfen. Jean reiht sich dort mit seinen Beziehungsplänen, die er nun telefonisch zu lösen versucht und dem Versuch, die komplizierte Beziehung zu seinem mittlerweile verstorbenen Vater zu verarbeiten, also wunderbar in das Geschwistertrio ein. Alle drei Geschwister zeichnet die Liebe zu Wein und Weinanbau aus. Damit geht allerdings schon wieder das nächste Problem einher: Jean braucht Geld und will deshalb seinen Erbanteil am Weingut verkaufen, Juliette und Jérémie wollen das Gut behalten, können es finanziell zu zweit allerdings nicht stemmen.

    Der Wein und weniger der Wind

    Die Geschwister testen ihren Wein.

    Klapisch reißt all diese verschiedenen Problematiken nur an, erzählt aber trotzdem jeweils auf emotional mitreißende Art und Weise. Damit schafft er es sehr viele Zuschauer anzusprechen. Es fällt sehr leicht sich mit Aspekten des Films zu identifizieren.

    Zentrales Element ist im gesamten Film der Wein in all seinen Facetten. Arrogante Winzer, Nachbarschaftsprobleme zwischen den Weinbauern und die immerwährende Suche nach dem perfekten Moment für Ernte und Pressung geben dem Zuschauer tiefe Einblicke in eine Welt, die sich längst weit vom bloßen gegorenen Traubensaft entfernt hat. Trotzdem übertreibt es der Film jedoch nicht an Weinkunde, vielmehr werden mit den verschiedenen Prozessen und Problemen, die in der Welt des Weines auftreten, die Herausforderungen verbildlicht, denen sich die Protagonisten stellen müssen. Ein beeindruckendes und immer wiederkehrendes Element sind zum Beispiel Wetter und Jahreszeiten, deren Unvorhersehbarkeit dazu zwingt, unliebsame Entscheidungen zu treffen. Ein weiteres sehr gelungenes Erzählmittel sind die öfter auftretenden Rückblenden, welche Jeans von Missverständnissen geprägte Beziehung zu seinem Vater zeigen und diese gleichzeitig dem Verhältnis zu seinem eigenen Sohn gegenüberstellen.

    Mit „Ce qui nous lie“ hat Cédric Klapisch einen Film geschaffen, der das Potential hat, ohne bestimmte Zielgruppe alle verschiedenen Personengruppen gleichermaßen mit auf eine emotionale Reise durch die Weinberge des Burgunds zu nehmen. Das Weingeschäft ernst nehmend wird doch auch teilweise humoristisch auf den täglichen Wahnsinn der Weinlesen und Weinproben geblickt. Eines steht jedoch fest: Wer nach diesem Film keine Lust auf ein Glas Wein bekommen hat, wird wohl für immer ein Biertrinker bleiben.

     

    Ab dem 14. Dezember 2017 auf DVD und Blue-Ray

     

    Fotos: Copyright Studiocanal GmbH