• Kultur
  • DIY und DDR

    Von Lisa Marie Schulz

    Ausstellung zur ostdeutschen Modegeschichte in der HTWK

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    Chic im Osten

    So manches war rar in der DDR: Exotische Früchte, Waschmaschinen, Meinungsfreiheit und natürlich Bücher von George Orwell. Festlichkeiten und Partys gab es jedoch eine ganze Menge und durch das ein oder andere modische Experiment bot sich so die Möglichkeit für immerhin ein wenig Individualität im Sozialismus.

    Die Ausstellung „Feten – Fummel – ColaMix“, die noch bis zum 27. Januar in der Bibliothek der HTWK zu sehen ist, zeigt in diesem Sinne originale Kleidungsstücke, Accessoires, Modezeitschriften und Fotografien aus DDR-Zeiten. Grob unterteilt in die Bereiche „Festmode“ und „Discofummel“ steht junge Mode für besondere Gelegenheiten aus den Sechziger bis Achtziger Jahren im Vordergrund.
    Ein besonderer Aspekt ist laut den Eröffnungsworten von Dr. Ute Scheffler, Vorstandsvorsitzende des Ausstellungsausstatters Chic im Osten e.V., dass ein Großteil der Stücke nicht von der Stange, sondern komplett selbstgemacht ist.

    Wilde Feten, wilde Muster

    Wilde Feten, wilde Muster

    Heutzutage fällt es natürlich schwer, sich angesichts des Überschusses an billig produzierter Kleidung vorzustellen, wie viel Arbeit, Organisationstalent und Kreativität damals in ein einfaches Party-Outfit fließen mussten. Wenn HO und Konsum nichts mehr vorrätig hatten und Exquisit den finanziellen Rahmen sprengte, wurde auch schon mal aus einer Schürze ein Rock genäht und eine Tischdecke zur Bluse umfunktioniert.

    Die Kriegs- und somit Elterngeneration der DDR-Jugend hatte Improvisation und das handwerkliche Know-how zwangsweise gelernt und gab es angesichts des durch die Planwirtschaft hervorgerufenen Mangels an die nächste Generation weiter. Im Stil dessen, was heute  DIY genannt wird lieferte der Verlag für die Frau in verschiedensten Magazinen Schnittmuster, Strickanleitungen und Bastelideen.

    Über aktuellere Trends gab das West-Fernsehen – das offiziell ja eigentlich niemand schaute – Auskunft und besonders Jeans waren bei der Jugend unheimlich gefragt. Wenn die West-Verwandtschaft jedoch keine echte Levi’s schicken wollte oder nach langem Anstehen im Kaufhaus nicht mal mehr eine Wisent-Jeans übrig war, wurde sogar diese einfach selbst genäht.

    historische Party-Spirituosen

    Historische Party-Spirituosen

    Einschließlich einer dieser Jeans-Kreationen zeigt die Ausstellung jedoch nur einen sehr kleinen Bruchteil der mittlerweile enormen Sammlung von Chic im Osten e.V.. Seit Jahren besteht schon der Wunsch, ein eigenes Museum für Mode der DDR in Leipzig zu eröffnen, was nicht nur edle Brokat-Kreationen präsentieren, sondern vor allem auch die Vielzahl an wild gemusterten Dederon-Kleidern (DIE Chemiefaser des Ostens) aus ihren Kisten befreien würde.

    Als farbechte und knitterfreie Zeitzeugen haben diese den Sozialismus um einige Jahrzehnte überlebt und obwohl sich über Geschmack natürlich streiten lässt, sind die für „Feten – Fummel – ColaMix“ ausgewählten Stücke sehenswerte Handwerkskunst und erzählen Kulturgeschichte.

     

    27.11 – 27.01.18 in der Bibliothek der HTWK
    Gustav-Freytag-Straße 40
    Mo-Fr: 9-20 Uhr, Sa: 9-16 Uhr
    www.chic-im-osten.de

    Fotos: Chic im Osten e.V. / Marie Nowicki