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  • Voll verschleiert starteten die Französischen Filmtage

    Von Sophie Roßberg

    Französische Filmtage: Cherchez la Femme

    Letzte Woche war es endlich so weit. Ein Stückchen Frankreich hält in den Leipziger Passagekinos und in der Schaubühne Lindenfels Einzug. Ein bisschen mehr C’est la vie und Esprit im tristen Herbstalltag.

    Als ersten Filmrausch gab es Cherchez la Femme, Voll verschleiert zu sehen. Der Regisseur Sou Abadi stellt sich in seiner Komödie einem schwierigen, aber brandaktuellen Thema. In einer modernen Welt, die einen durchaus überfordern kann, suchen viele Muslime nach Halt in ihrem Glauben. Die Radikalisierung einer kleinen Gruppe ist auch in Frankreich ein großes Problem und seit Charlie Hebdo ist es alarmierender als je zuvor. Eben diese Radikalisierung arbeitet Abadi humorvoll und dennoch gespickt mit ernsten Anklängen auf.

    Le Coran pour les nuls

    Armand gibt alles.

    Die Protagonistin Leila (Camélia Jordana) ist eine ehrgeizige Studentin und unsterblich in Armand (William Lebghil) verliebt. Leilas Bruder Mahmoud (Félix Moati) hat sich jedoch im Jemen radikalisiert und verbietet die Beziehung. Logischer Schluss für das Liebespaar: Armand verschleiert sich und besucht Leila fortan inkognito als die mysteriöse Scheherazade. Logischer Schluss für Mahmoud: Er lässt die gottesfürchtige Fremde ein und verliebt sich unsterblich in die schönen Augen der Fremden. Abadi lässt ein verzwicktes Spiel zwischen Liebe, Hingabe und Sehnsucht sowie Religion, Ge- und Verbote entstehen.

    Der Kern der Geschichte ist bedrohlich, da sich viele junge Männer ohne Perspektive aus den Banlieues extrem islamistischen Gruppen anschließen. Aber Abadi weiß alles etwas zu mildern und durch den Kakao zu ziehen. Die überzogen dargestellten Gleichgesinnten um Mahmoud, die dem Katholizismus kurzfristig abgeschworen haben, vergessen es nicht, sich zu bekreuzigen, wenn es mal wieder ein komödiantisches Event gibt.

    Abadi spiegelt dabei nicht das wahre Leben in den Vorstädten Paris’ wider und auch nicht die wahren Zustände hinter den Burkas und verschlossenen Türen der Moschee. Es ist, wie es ist: ein witziger Streifen mit Höhen und Tiefen.

    Hinterm Schleier

    Voll verschleiert in geheimer Mission

    Zu lachen gibt es viel und allein die irrwitzige Liebesgeschichte zwischen Mahmoud und den verschleierten Armand hat viel Potential, welches der Film definitiv ausschöpft. Der heikelste Moment, das Ende eines lustigen Films, ist ja meist etwas zu kitschig oder unpassend. Abadi jedoch schafft es, seinen Film nicht durch das Ende kaputt zu machen. Man kann sich als Zuschauer auf 88 Minuten Amüsement freuen, die einen vielleicht auch einen Schmunzel-Muskelkater bescheren.

    Neben all der Kritik und dem Lob gibt es noch eine Sache, die hervorgehoben werden sollte. Abadi vermittelt ein bestimmtes Bild des Islams, beziehungsweise eine pazifistische Auslegung des Islams. Mit dieser Botschaft schwingt in dem Film etwas ganz Angenehmes und Friedliches mit, obwohl Film und Realität hier manchmal sehr abweichen. Es wird zu einem Märchen zwischen den Betonburgen der Banlieues und Scheherazades Schleier.

     

    In den Kinos ab: 28. Dezember 2017

     

    Fotos: Copyright Mars Films