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  • Witzloser Partyspaß

    Von Luise Bottin

    „Girls Trip“ enttäuscht auf ganzer Linie

    Fünf lange Jahre ist es her, dass die vier besten Freundinnen Ryan (Regina Hall), Sasha (Queen Latifah), Lisa (Jada Pinkett Smith) und Dina (Tiffany Haddish) zum letzten Mal zusammen feiern waren. Zu viel hatten sie in der Zwischenzeit mit Beruf, Familiengründung und diversen Beziehungen zu tun. Doch nun steht das große Wiedersehen an, denn die Clique reist gemeinsam zum legendären „Essence“-Festival in New Orleans, um die „farbige Weiblichkeit in allen Erscheinungen feiern“. Und eines steht für die vier ehemaligen Partyqueens fest: Sie wollen die wilden College-Tage wiederaufleben lassen! Was jetzt folgt, ist nicht schwer zu erraten: Vor ihnen liegt ein Wochenende voller Alkohol, Partys und halluzinogenen Drogen. Doch während sie ein spektakuläres Dance-Off veranstalten, mit heißen Typen flirten und ein klein wenig zu tief ins Glas schauen, merken die vier vor allem eines: Am meisten Verlass ist noch immer auf die besten Freundinnen…

    Was nach Spaß im Sinne von „Hangover“ und „Brautalarm“ klingt, funktioniert hier leider gar nicht. Denn wo andere Komödien auf Situationskomik und ausgefallene Dialoge setzen, rutscht „Girls Trip“ ab in ein Gemisch aus Fäkalhumor und flachen Witzen. Zu oft häufen sich die Fremdschäm-Momente, zu selten funktioniert das Zusammenspiel der Charaktere.

    Girls auf Party-Tour

    Partnerlookketten auf dem Girls Trip

    Neben der erfolgreichen Schriftstellerin Ryan gehören zur Clique noch die zweifache Mutter Lisa, Skandaljournalistin Sasha und Dina, die sich unfassbar über ihre Chlamydien-Diagnose freut, denn „die sind behandelbar, ey!“. Ihre Rolle nervt dank schriller Stimme und jähzornigen Wutausbrüchen schon nach wenigen Minuten. Auch alle anderen Charaktere sind dermaßen überzogen und gleichzeitig eindimensional gezeichnet, dass es fast weh tut, zuzuschauen. Leider bedient der Film jedes Klischee: So zieht die spießige Super-Mama am Flughafen Handdesinfektionsmittel und Reisetabletten aus der Tasche, während das Partygirl Drogen in diversen Körperöffnungen schmuggelt.

    Auch sonst hat „Girls Trip“ nicht viel zu bieten. Dass die „Gags“ (Achtung, Ironie!) schon meilenweit vorhersehbar sind, liegt größtenteils an der erzwungenen Handlung: Wenn die ganze Flasche Absinth, bei welcher der Verkäufer ausdrücklich darauf hinweist, dass sie für mehrere Jahre reichen sollte, großzügig auf fünf Cocktails aufgeteilt wird, ist eigentlich allen klar, was jetzt passiert.

    Das rein afroamerikanisch besetzte Ensemble wartet neben vulgärem Humor unter der Gürtellinie auch mit jeglicher Art von „Nigger“-Witzen auf. Haha, Selbstironie. Das alles nervt gewaltig und will so gar nicht zum Ende des Films passen, bei dem das Niveau plötzlich ruckartig ansteigt und mit klischeehafter Moralkeule auf die arglosen Zuschauer eingedroschen wird.

    Tja, aber man weiß: „Girls Trip“ wird trotzdem seine Anhänger finden. Irgendwer lacht schon über so was.

     

    In den Kinos ab 30. November

     

    Fotos: Copyright Universal Pictures / Michele K. Short