• Hochschulpolitik
  • Neubeginn für Leipziger Journalistik

    Von Helene Streffer

    Im Wintersemester 2018/19 startet der neue Journalistik-Master an der Universität Leipzig

    Der Rat der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie hat gestern das neue Konzept des Journalismus-Masters beschlossen. Professor Kater, Studiendekan der Fakultät, betonte, dass die Abstimmung einstimmig verlief. Das digital geprägte Konzept und die Wahl der Fakultät sollen vor allem eins deutlich machen: In Zukunft steht die Leipziger Journalistik wieder auf sicheren Füßen.

    Eine zentrale Rolle spielt die Neustrukturierung der Lehrgegenstände. Neben den journalistischen handwerklichen Fähigkeiten, die im reformierten Master nur noch vertieft, aber nicht mehr von Grund auf gelehrt werden, prägen Module mit Themen der Informatik und der angewandten empirischen Sozial- und Journalismusforschung den Studienverlaufsplan. Juniorprofessor für Journalismusforschung Beiler, der die Verantwortung für den Masterstudiengang übernimmt, betont dennoch, dass sich das Studium nicht um den Datenjournalismus drehe. Viel eher bestehe die Kooperation mit der Informatik, um zeitgenössischen Journalismus zu gestalten.

    Zukünftige Absolventen sollen drei Kernkompetenzen erlangen. Neben den journalistischen Grundlagen soll ihnen eine gemeinsame Arbeitssprache zwischen Redakteuren und Technikern sowie Forschungskompetenz vermittelt werden. Die Reformkommission ist sich sicher, mit der Kombination dieser drei Feldern eine Lücke in der internationalen Journalismus-Ausbildung zu schließen.

    Das Institut für KMW in der Leipziger Burgstraße

    Das Institut für KMW in der Burgstraße

    Bei der Reformvorstellung des Masterstudiengangs wird auch ein möglichst geschlossener Auftritt der Universität Leipzig betont. Der Diskurs, berichtet Professor Hofsäss, Prorektor für Bildung und Internationales, habe alle Entscheidungsträger mitgenommen. Ein wesentlicher Beitrag komme schließlich vom Rektorat, das die Ressourcen für eine „Karl-Bücher-Gastprofessur für die Zukunft des Journalismus“ zur Verfügung stellt.

    Journalistik-Professor Machill, der der Reformkommission ebenfalls angehörte, wird am reformierten Master nicht beteiligt sein. Er ist künftig nur noch für die Grundlagenausbildung im Bachelor Kommunikations- und Medienwissenschaft zuständig. Im Juli hatte Machill in einem Gastbeitrag in der Magdeburger Volksstimme erläutert, dass das Ergebnis der „sogenannten Reformkommission“ ein hoch spezialisierter Masterstudiengang für Datenjournalismus sei. Es sei außerdem ein Ergebnis, „das den Studierenden letztlich nichts Halbes und nichts Ganzes bieten wird“.

    Entgegen den Andeutungen Machills, dass sich die Spezialisierung des Studienganges auch in den Bewerbungsanforderungen wiederspiegeln würde, stellte Professor Beiler im Pressegespräch klar, dass der Studiengang ab dem Wintersemester 2018/19 für alle geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer frei wäre. Damit können sich in Zukunft auch Bachelor-Absolventen der Kommunikations- und Medienwissenschaften für den Journalistik-Master bewerben. Einzige Bewerbungsvoraussetzung seien 30 Leistungspunkte (LP), die für journalistische Praxis-Erfahrungen gesammelt werden sollen. Eine Möglichkeit, diese Leistungspunkte zu erhalten, bietet das neu gebildete Wahlfach „Crossmedia-Journalismus“, welches das bisherige Wahlfach „Hörfunk“ ersetzt. Vorkenntnisse im Bereich der Informatik oder der empirischen Sozial- und Journalismusforschung brauchen die Bewerber nicht.

    Im Frühjahr 2017 hatte die Fakultät einen überraschenden Immatrikulationsstopp für den Journalistik-Master beschlossen. Der Hauptgrund für diese drastische Maßnahme waren rückläufige Bewerberzahlen. Nachdem die Fakultät das Reformkonzept nun bestätigt hat, muss es noch vom Rektorat beschlossen werden. Anschließend könnte im Frühjahr 2018 wieder die Bewerbungsfrist starten. Für das Wintersemester sollen zunächst lediglich 20 Bewerber zugelassen werden. Wie bei anderen Studiengängen soll es dann nach zwei Jahren eine grundlegende Evaluation geben.

     

    Fotos: Luise Mosig