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  • Mehr als nur ein Derby

    Von Anton Kästner

    Spielbericht: Lok Leipzig und BSG Chemie trafen am Mittwoch aufeinander

    Die Regionalliga ist ja in der Regel nicht gerade dafür bekannt, dass sie in den sozialen Netzwerken für deutschlandweite Aufmerksamkeit sorgt. Wenn allerdings mit dem 1. FC Lokomotive und der BSG Chemie die zwei großen Leipziger Traditionsvereine aufeinandertreffen, dann ist das viel mehr als nur ein Fußballspiel. Am vergangenen Mittwoch wurde das Stadtderby wieder seinem Ruf gerecht.

    Schon vor dem Spiel war eine Polizeipräsenz zu beobachten, die in einem absurden Verhältnis zum Stellenwert des Fußballspieles stand: Lok empfing als Fünfter der Regionalliga Nordost den Ligasechzehnten, Chemie, im Bruno-Plache-Stadion in Probstheida. Die Anhänger der beiden Fußballvereine ließen nicht lange auf sich warten. Noch vor dem Spiel wurden in der Kurve von Chemie Bengalos gezündet. Die Lok-Fans konterten mit einer riesigen Lokomotive in Reichsfarben und unterstrichen dies mit einem beeindruckenden pyrotechnischen Auftritt.

    Achja, Fußball wurde manchmal auch gespielt. Schiedsrichter Henry Müller pfiff die Partie mit zehnminütiger Verspätung an, weil die Spieler der BSG Chemie das letzte Stück ins Stadion zu Fuß laufen mussten. Ihr Bus war für einen Fanbus gehalten und deshalb falsch abgeleitet worden. Es entwickelte sich eine muntere erste Halbzeit mit einem leichten Chancenplus für Lok, deren Erfahrung die Chemieelf einige schön anzusehende Passstafetten entgegensetzte. Allerdings war das Spiel auch immer wieder vom überharten Einsatz von Spielern beider Mannschaften geprägt, was den Schiedsrichter aus Cottbus öfter in die Bredouille brachte.

    In der zweiten Hälfte hatte Lok nach einem Lattentreffer seine beste Chance das Spiel zu entscheiden, aber der Stürmer traf aus sieben Metern das leere Tor nicht. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt das fußballerische auch schon wieder in den Hintergrund gerückt. Brennende Lok-Fahnen und Bengalos sowohl im Chemie-Block als auch in der Gegengerade ließen die Polizei ihren Wasserwerfer in Stellung bringen. Dieser war in weiser Voraussicht schon direkt im Stadion geparkt worden. Zweimal musste das Spiel deshalb unterbrochen und die Spieler in die Kabine geschickt werden.

    Am Ende gab es ein 0:0 und hohe Geldstrafen für beide Vereine wegen Abbrennen von Pyrotechnik und Verbrennen gegnerischer Fahnen. Direkt nach dem Spiel folgte noch eine kurze, aber heftige Rangelei zwischen Spielern der beiden Mannschaften. Es war der Abschluss eines Events, in dem es um so vieles, aber leider selten um Fußball ging.

     

    Foto: Anton Kästner