• Hochschulpolitik
  • „Rauscher ist kein Einzelfall – Rassismus gibt es überall“

    Von Franziska Roiderer

    Hunderte Demonstrierende bei Kundgebung gegen Rassismus auf dem Campus

    Auf dem Innenhof des Hauptcampus versammelten sich Dienstagvormittag zahlreiche Studierende, um gegen den in die Kritik geratenen Jura-Professor Thomas Rauscher zu demonstrieren. Laut Angaben von „durchgezählt“,  einer Forschungsgruppe zu Teilnehmerzahlen bei Demonstrationen, beteiligten sich 600 bis 900 Demonstrierende, die mit Sprechchören die Entlassung des Professors forderten. Er hatte sich in den letzten zwei Jahren  mehrfach über seinen Twitteraccount offen fremdenfeindlich und homophob geäußert. Eine rechte Demonstration in Polen, bei der antisemitisches Gedankengut rezipiert wurde kommentierte er: „Ein weißes Europa brüderlicher Nationen. Für mich ist das ein wunderbares Ziel!“.

    „Professor Rauscher spricht nicht-weißen Personen das Daseinsrecht in Europa ab“, äußerte ein Mitglied der Kritischen JuristInnen in einem Redebeitrag. „Dienstrechtliche Konsequenzen sind geboten.“

    Bereits in der letzten Woche hatten Mitglieder von Prisma und dem Sozialistisch-demokratischen Studierendenverband (SDS) eine Veranstaltung des Professors unterbrochen, um sich klar von ihm zu distanzieren und die Uni zum Handeln aufzufordern. Seitdem hat die Thematik ein breites Medienecho gefunden. In einer Onlinepetition fordert nun die neugegründete Initiative „Rauscher rausch ab“ die Entlassung Rauschers. Dessen Twitteraccount ist nicht mehr in Betrieb.

    Inzwischen hat sich Thomas Rauscher öffentlich zu den Vorfällen geäußert. Er bezeichnete die Aktionen gegenüber dem neurechten österreichischen Magazin Info-Direkt als „systematische berufliche Vernichtung.“

    Den Vorwurf von Rauscher, seine Meinungsfreiheit werde durch die Aktionen der Studierendenschaft beschnitten, wiesen die Redner der Kundgebung zurück. „Professor Rauscher hat kein Recht auf zustimmendes Publikum“ hieß es dazu in einem Statement von Prisma, einer linksradikalen Gruppe in Leipzig. Der Fachschaftsrat Jura forderte eine Stellungnahme des Stura der Universität und zudem eine Distanzierung anderer universitärer Gremien. Außerdem solle Rauscher als Erasmusbeauftragter ersetzt werden.

    Auch ein Mitarbeiter des Lehrstuhls für Strafrecht sprach sich deutlich gegen die Äußerungen Rauschers aus: „Die Rechtswissenschaft ist ohne internationale Bezüge nicht denkbar“. Zudem sei „ein Menschenbild, das Gleichberechtigung voraussetzt“ für den Lehrstuhl essentiell.

    Ein einzelner Gegendemonstrant hielt am Rande des Hofes ein Transparent „gegen linken Meinungsterror“ in die Höhe, wurde aber bald von den restlichen Teilnehmenden aufgefordert, sich zu entfernen.

    Die Universität hat zu den Vorfällen rund um Rauscher bereits Stellung bezogen. In einem Statement distanzierte man sich und kündigte die Prüfung der Einleitung dienstrechtlicher Schritte an. Auch im Senat der Hochschule wurde am späten Nachmittag ein Antrag der studentischen Senatoren angenommen, in dem die Äußerungen Rauschers ausdrücklich missbilligt werden. Auch der Stura, der am Abend tagte, nahm mit großer Mehrheit einen Antrag zur öffentlichkeitswirksamen Distanzierung von Rauscher als Lehrperson im Zusammenhang mit seinen Äußerungen auf Twitter an.