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  • Die Fecht-WM in Leipzig

    Von Helene Streffer

    Bilanz und Hintergründe

    Wer in den letzten Tagen mit der Linie 4 in Richtung Waldplatz/Arena unterwegs war, der hat sie gesehen: die Weltspitze der Fechter. Am Johannisplatz, nahe dem Mannschaftshotel sind sie eingestiegen, in der Hand ihren Rollkoffer und darin ihre Waffe. Manch ein Leipziger jodelte, dass die Straßenbahnen voller waren, aber man wäre so vor allem vor Piraten-Angriffen geschützt gewesen. Ziel und Endstation dieser Fahrgäste war die Fecht-Weltmeisterschaft in der Arena Leipzig. Mit dem Ende der Gefechte am Mittwoch verlassen die besonderen internationalen Straßenbahnfahrer Leipzig wieder.

    Dass die deutsche Mannschaft zum Wettbewerb zumeist mit einem Minibus unterwegs war wirkt dagegen schon fast luxuriös. Ein Luxus, der sich am Ende jedoch nicht so wirklich auszahlt. Die deutschen Fechter müssen schließlich mit einer einzigen Bronze-Medaille vorlieb nehmen. Diese erfocht sich unter den Blicken von 3.500 Zuschauern Richard Schmidt mit dem Degen, der sich am Ende nur dem Weltmeister Paolo Pizzo aus Italien geschlagen geben musste.

    Die im Vorfeld der WM erzielten Platzierungen bei der Europameisterschaft, wie der 2.Platz der Degen-Fechterin Alexandra Ndolo, hatten Hoffnung auf mehr gemacht. Doch auch Ndolo kam nicht über einen 8. Platz in der Weltspitze hinaus. Für Spannung sorgten nach den Freitags-Gefechten von Anne Sauer zwischenzeitlich die Gefechte der Säbel-Fechterin Anna Limbach, die sich im Viertelfinale jedoch geschlagen geben musste und Rang fünf belegte.

    Nahezu katastrophal war die Vorstellung des Säbel-Männer Teams, die schon im Achtelfinale auf den unangenehmen Gegner Frankreich stießen. Trotz des starken französischen Teams konnten die deutschen Fechter zunächst einen komfortablen Vorsprung von 17 Treffern erarbeiten. Im letzten entscheidenden Gefecht hätte Säbel-Europameister Max Hartung mit lediglich fünf Treffern das Team ins Viertelfinale führen können. Stattdessen kassierte er 22 Treffer in weniger als 3 Minuten und sorgte für fassungslose Sprachlosigkeit auf den Rängen der Arena.

    Einen kleinen Lichtblick bei den Mannschaftswettbewerben boten die Florett- und Degen-Damen mit einem 4. und 5.Platz.

    Säbel-Fechterin Anna Limbach wollte trotz allem eine positive Bilanz ziehen: „es sieht ganz gut aus“.  Einige Ergebnisse, wie bei den Säbel Herren wären zwar bitter gewesen, doch das Ziel unter die Top 8 zu kommen konnte oft erreicht werden. Um die olympischen Spiele in Tokyo macht sie sich keine Sorgen und verweist auf die Umstrukturierungen innerhalb der deutschen Mannschaft.

    Obgleich fehlender deutscher Erfolge bleiben nach der WM in Leipzig zwei prägende Eindrücke: Bodenständigkeit und Fairness. Der Spitzensport wurde dadurch plötzlich zum anfassen. Egal ob in der Straßenbahn oder der Arena, die Athleten nahmen absolut selbstverständlich auf dem Sitz neben den Fans Platz. Es gab keine Moment in dem die Sportler nicht Zeit für ein Autogramm oder eine Foto mit den vielen angereisten jungen Fans gehabt hätten.

    Zweiter zurückbleibender Eindruck ist das ausgeprägte faire Verhalten der Athleten. Trotz hoher Emotionalität und teilweise extremer Spannung, die durch die kurze Dauer und das hohe Tempo eines Gefechts verursacht werden, gab es nicht einmal im Ansatz unsportliche Ausrutscher, die in anderen populären Sportarten zur Tagesordnung gehören.

    Die Fairness wird vor allem im Verhalten gegenüber den Kampfrichtern und dem Gegner sichtbar. Zwar kann eine Kampfrichter-Entscheidung angezweifelt und ein Videobeweis verlangt werden, doch danach wird ohne Diskussion sofort weiter gefochten. Wutausbrüche wie das Helmschmeißen oder gar Beleidigungen würden sofort hart bestraft werden. Gegenüber dem Gegner äußert sich das faire Verhalten unter anderem bei der Begrüßung. Und auch eine Verabschiedung mit Handschlag ist, egal wie bitter eine Niederlage auch sein mag, nicht nur selbstverständlich sondern so vorgesehen. Die deutsche Athletin Anna Limbach betonte in diesem Zusammenhang die Traditionalität des Fecht-Sports in der Fairness verankert ist. Und erklärte dazu: „Es ist immer wichtig höflich zu bleiben“.

    Als am Mittwoch die WM beendet ist, geht ein großes Fecht-Familien-Treffen zu Ende. Unter den Athleten gibt es viele Bekanntschaften, erzählt Limbach. Außerdem verriet sie, dass man natürlich nach dem Wettbewerb zusammen in Leipzig feiern geht. Aber nicht nur die Weltspitze gehört zu dieser Familie aus Freundschaften und Bekanntschaften, sondern auch die vielen angereisten Fans. Oft kennen die Amateur-Fechter die Fechter des deutschen Kaders aus ihren Vereinen oder von verschiedenen kleineren Turnieren. Auch das ist Teil des deutschen Fecht-Sports.

    Foto: hs

     

    Kurz erklärt: Was ist Fechten?

    Von User:Evdcoldeportes - Escuela Virtual de Deportes - COLDEPORTES - Colombia (online copy), CC BY-SA 2.5 co, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10800647Fechten gliedert sich in drei Disziplinen, die durch ihre Waffen gekennzeichnet sind. Es gibt Degen, Florett und Säbel. Mehr hier

     

     

     

    Das war die Fecht-EM

    Fechten_quer_Julie_V.Die deutschen Fechter haben bei der Europameisterschaft in Tiflis (Georgien) Mitte Juni einen nicht zu verachtenden Start hingelegt. Mehr hier