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  • „Das schlechteste Album der Welt“

    Von Paul Schuler

    Singer-Songwriter Faber im Interview

    Im letzten Jahr machte der Züricher Singer-Songwriter Faber mit markanter Stimme und originellen Texten auf sich aufmerksam. In diesem Jahr ist er mit neuem Album unterm Arm auf großer Deutschland-Tour. student!-Redakteur Paul Schuler sprach mit ihm über die Songs, das Touren und seinen Namen. Großherzig bot er an, auch einmal ganz neue Antworten geben zu können.

     

    student!: Dein Künstlername Faber erinnert unweigerlich an Homo Faber (lateinisch Handwerker/ geschickter Mensch). Wie kam es zu der Auswahl –  ist es eher ein Bezug auf Max Frisch oder deine künstlerische Seite?

    Faber: Weder noch. Ich habe einfach mega krass davon geträumt, dass ich den Namen haben muss ‒ ne das stimmt nicht.
    Ich habe mir das einfach ausgesucht ohne groß darüber nachzudenken und hab mir gedacht, ich überlege mir die Story dazu später.

     

    Hast du jetzt eine Story parat, die du dazu erfinden möchtest?

    Joah, es war halt ´ne gute Mischung aus Handwerker und Max Frisch als bekanntestem Autor der Schweiz. Der wichtigste italienische Singer-Songwriter heißt Fabrizio de André, abgekürzt auch Faber und da war alles auf den Punkt gebracht. Außerdem liebe ich Sekt und spiele gerne Lotto. Und ich bin großer Fan von VFL Bochum.

     

    Obwohl du aus Zürich kommst und italienische Wurzeln hast, singst du auf Hochdeutsch. Wie kommt das?

    Eigentlich finde ich das in der Schweiz ziemlich normal, muss ich sagen. Wir reden ja auch Deutsch, schon schlechteres Deutsch als ihr, aber wir können das schon ein bisschen. Und ich finde es eher seltsam, dass so viele Bands in der Schweiz Englisch singen. Und dann meistens schlecht. Ich finde das echt schon ein seltsames Phänomen, dass sich das so lange Jahre durchsetzen konnte.

     

    Fotos: Stefan Braunbarth

    Fotos: Stefan Braunbarth

    Mit dem Song „Bleib dir nicht treu” widersprichst du dem ein bisschen. Kannst du dir vorstellen, auf anderen Sprachen oder in einer Mundart zu singen?

    Ich wollte eine Übersetzung von meinen Songs machen. Unter anderem auch Serbisch.
    Ich bin halt nicht in der Lage, Songs auf einer anderen Sprache zu schreiben, aber singen schon. Das mache ich eigentlich sehr gerne. Auf den Konzerten singe ich auch gerne italienische Songs.

     

    Auf dem Album gibt es ganz unterschiedliche Melodien. Wie würdest du dein Genre beschreiben oder findest du Genrezuschreibungen generell überflüssig?

    Ich finde es eher nervig. Natürlich gibt es so Anhaltspunkte, aber so eine genaue Beschreibung – das finde ich scheißegal. Hör’s dir einfach an und dann weißt du schon worum es geht. Jeder Song könnte ja auch eine andere Beschreibung haben.
    Keine Ahnung, Pop halt, Popmusik und Rock.

     

    Die Texte deiner Songs sind sehr unterschiedlich und scheinen teilweise stimmungsmäßig nicht mit den Melodien übereinzustimmen. Schreibst du die Songs auf die Melodien oder umgekehrt?

    Das ist ganz verschieden. Ich schaue einfach, wie es passt. Ich finde es manchmal sehr lustig, wenn viele Leute mit den Händen in der Luft „Bleib dir nicht treu“ singen, als wäre es ´ne Hymne. Das macht mir viel Spaß. Oder wenn sie bei „Wenn du am Boden bist, weißt du wo du hingehörst.” freudig in die Luft springen.

     

    Mit wem würdest du gerne verglichen werden?

    All das, was ich bisher gehört habe, fasse ich als Kompliment auf. Ich finde zwar nicht, dass es stimmt, aber Tom Waits höre ich manchmal und französische Sachen wie Chansons und so. Ich bin nicht immer einverstanden, aber gerade so eine Mischung aus Tom Waits, Leonard Cohen ist schon ´ne gute Sache.

     

    Der Text zu „Tausendfrankenlang“ erinnert an einen Bordellbesuch. Hast du das Gefühl, dass viele Songtexte zu wörtlich genommen werden?

    Ja, zum Teil. Ich denke, viele Leute wissen nicht was autobiographisch und was nicht autobiographisch ist und das passt mir auch gerade so. Ich finde das eigentlich eine sehr angenehme Sache, aber auch umgekehrt bei anderen Leuten, bei denen ich nicht weiß, was ernstgemeint ist und was nicht. Mir macht das eigentlich nichts, wenn mich Leute anlügen und mir einfach Dinge erzählen, die nicht stimmen.
    Boris Johnson hat zum Beispiel noch als Politikjournalist mal gesagt, man solle sich eine Geschichte nicht von der Wahrheit kaputt machen lassen. Das ist wirklich ein schwieriges Statement, aber so privat finde ich das schon ganz in Ordnung.

     

    Auf der anderen Seite schreibst du politische Songs wie „Wer nicht schwimmen kann, der taucht.”, bei denen du sehr direkt bist. Glaubst du, dass es bei solchen Themen wichtiger ist, keine missverständlichen Texte zu schreiben?

    Also ich hatte es auch schon, dass das falsch verstanden wurde. Obwohl ich da das Gefühl hatte, dass der Text unmissverständlich ist. Ich war erschüttert, dass da jemand den Text falsch verstanden hat. Der hatte nach vorne gerufen “So ein Nazischeiß, da gibt’s keinen Applaus” und ist dann rausgelaufen. Aber eigentlich hoffe ich, dass es nicht so schwierig ist das zu interpretieren.

     

    Steht Faber nur für dich als Künstlername oder als Kollektiv mit der Band?

    Das steht für mich, die Band hat einen eigenen Namen. Die heißt Goran Koc y Vocalist Orkestar Band. Die sind ´ne fixe Band, aber wir spielen schon immer zusammen. Wir waren das ganze letzte Jahr zu zweit unterwegs, jetzt sind wir eigentlich zu fünft. Wir gehen Hand in Hand, aber die haben einen eigenen Namen. Die Szene ist nicht so groß, da kennt man sich dann eigentlich relativ schnell, wenn man da ambitioniert ist. So haben wir zusammengefunden.

     

    Du bist jetzt auf ziemlich langer Tour, was ist für dich das Schönste am Touren und worauf freust du dich in nächster Zeit am meisten?

    Ich freue mich immer sehr auf’s Spielen. Das bereitet mir wirklich große Freude und ich mache das wirklich gerne. Da findet ein Energieaustausch statt, das finde ich wirklich sehr sehr schön. Man kann sich richtig verausgaben auf der Bühne. Manchmal finde ich es aber schon schwer so lange weg zu sein und so oft.

     

    Spielst du lieber die größeren Shows oder die kleineren in Kneipen?

    Ich spiele sowieso gerne, also das ist wirklich nicht das Problem. Aber ich habe jetzt schon drei-, viermal etwas größere Sachen spielen dürfen und das ist natürlich mega das Neue bei uns und das ist schon krass. Während ich in Kneipen eben schon sehr lange spiele.
    Wenn jetzt tatsächlich tausend Leute kommen, das hätte ich nicht unbedingt gedacht. Das ist dann schon krass. Ich mache das noch nicht so lange, dass ich sagen könnte, ich mache die kleinen Shows lieber als die großen oder anders herum. Jetzt bin ich eben noch sehr erschlagen, wenn so viele Leute da sind.

     

    Gerade kam dein neues Album raus. Wie würdest du das Album mit einem Spruch bewerben?

    “Darauf hat die Welt gewartet”! Oder, was auch nicht schlecht ist: „Das schlechteste Album der Welt”. Der Promo-Gag ist supergeil. Kennst du den Film “The Room”? Der wurde als „Schlechtester Film ever” gekürt. Und seither ist er total Kult. Ich glaube, ich würde das bringen. „Das Schlechteste Album seit… weiß ich nicht”. Seit 1919.

    Foto: Nicolas_Schabram

    Foto: Nicolas_Schabram