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  • „RB ist ein Verein der Zukunft“

    Von Helene Streffer

    Rasenballsport Leipzigs Mannschaftskapitän Dominik Kaiser im Interview

    Rasenballsport Leipzig (RB) ist als Aufsteiger Vizemeister der Fußball Bundesliga geworden. Vor vier Jahren spielte die Mannschaft noch im Amateurbereich. Nur ein Spieler ist den kompletten Weg von der Regionalliga bis in die 1. Bundesliga bei RB geblieben – Kapitän Dominik Kaiser. Die student!-Redakteure Helene Streffer und Jonas Nayda trafen sich mit ihm zum Interview.

    Dominik Kaiser Fotos: jn

    Dominik Kaiser Fotos: jn

    student!: Wieso war RB Leipzig in der vergangenen Saison so erfolgreich?
    Kaiser: Da gibt es viele Faktoren. Wir haben in den ganzen letzten Jahren konzentriert gearbeitet und alles von Anfang an sehr gut aufgebaut. Wir waren vor allem durch unseren Trainer, aber auch durch die Zusammenstellung des Teams gut vorbereitet.

    Sie sind seit 2012 bei Leipzig. Wussten Sie damals, was Sie hier erwartet?
    Nein, eigentlich wusste ich wirklich relativ wenig. (lacht) Aber Ralf Rangnick (Sportdirektor, Anm. d. Red.) und den damaligen Cheftrainer Alexander Zorniger kannte ich bereits. Das war für mich ausschlaggebend, nach Leipzig zu wechseln. Ich wusste von Rangnick, dass er vorher in Hoffenheim und auch in Ulm einen Durchmarsch in den Profifußball geschafft hatte und wir waren damals ja noch in der 4. Liga. Aber dass es bei uns so in der Form funktionieren würde, war für mich nicht abzusehen.

    Aber eine gewisse Vorahnung hatten Sie schon, oder?
    Im Fußball ist es schwierig, zu planen. Aufstiege kann man nicht vorhersehen. Aber Rang­nick steht für eine ganz klare Struktur, die erfolgreich ist. Deshalb hatte ich ein gutes Gefühl, dass es in Leipzig klappen kann.

    Sie haben in der vergangenen Saison nur vier Spiele über die vollen 90 Minuten gespielt. Wie sieht Ihre Zukunft im Verein aus?
    Wenn die Vorbereitungsphase für die neue Saison startet, werde ich auf alle Fälle mit dabei sein und meine Chance neu suchen.
    Sicher war gerade die vergangene Rückrunde für mich persönlich teilweise enttäuschend, ich möchte natürlich immer auf dem Platz stehen und hätte mir mehr Einsätze erhofft, aber die Mannschaft war sehr erfolgreich und das ist entscheidend. Ich habe genügend Selbstvertrauen, um mir nächste Saison wieder meinen Platz im Team zu sichern.
    Kann man als Ersatzspieler Mannschaftskapitän sein?
    Es ist sicher wichtig, als Kapitän regelmäßig in der Startelf zu stehen. Aber letztendlich gibt es auch noch andere Aufgaben für einen Kapitän und die Mannschaft akzeptiert mich und meine Meinung weiterhin, auch wenn ich zuletzt nicht so viel spiele. Im Training und in der Kabine muss ich als Kapitän ja auch meiner Rolle gerecht werden.

    Sie werden im September 29 Jahre alt. Im Team gehören Sie damit zu den älteren Spielern. Wie lange können Sie noch mithalten?
    Ich fühle mich noch jung. Körperlich habe ich den Vorteil im Vergleich zu anderen Kollegen, dass ich erst recht spät zum Profifußball gestoßen bin. Mein Körper ist einfach noch nicht ganz so „verbraucht“, wie wenn ich schon mit 16 Jahren in den Profikader aufgerückt wäre. Ich bin eigentlich erst mit Mitte zwanzig so richtig im Profisport angekommen und bin bisher glücklicherweise von Verletzungen verschont geblieben. Ein paar gute Jahre auf hohem Niveau traue ich mir definitiv noch zu.

    Ist es normal, dass mit Ende Zwanzig der Körper eines Fußballprofis „verbraucht“ ist?
    Das Startalter einer Profikarriere hat sich immer weiter nach vorne verschoben. Durch die Fußball-Internate und intensives, stetig professionalisiertes Training sind junge Spieler heute viel früher in der Lage, mit etablierten Profis mitzuhalten. Wer mit 17 oder 18 Jahren in die Bundesliga einsteigt, kann auch früh eine Verletzung erleiden und alles ist vorbei. Der Druck auf die jungen Spieler ist enorm hoch.

    Sie haben bei Hoffenheim und jetzt bei RB Leipzig gespielt. Für viele Fußballfans sind diese beiden Vereine wegen ihrem finanziellen Hintergrund ein rotes Tuch. Stört Sie nichts an der Vergangenheit oder der Struktur dieser Vereine?
    Nein. Nach meinem Abitur war das mein Weg in den Profifußball. In Hoffenheim konn­te ich damals zum ersten Mal Bundesligaluft schnuppern, dafür bin ich dem Verein sehr dankbar.
    Bisher gab es für mich noch nicht die Möglichkeit, bei anderen Vereinen, den sogenannten Traditionsvereinen zu spielen. Ich kann damit aber sehr gut leben. RB Leipzig ist ein Verein der Zukunft und ich bin froh hier zu sein.
    Natürlich heißt das nicht, dass ich mir das nie vorstellen konnte. Es hat sich bisher einfach nicht anders ergeben. Mein Ziel war einfach immer, bei einem Verein zu spielen, bei dem ich eine Rolle spiele.

    Für einen Spieler mag die Historie eines Vereins keine so große Rolle spielen. Aber wie ist es mit den Fans? Gibt es da Unterschiede zwischen RB Leipzig und einem Traditionsverein?
    Ich werde als Spieler nicht zu einem Verein wechseln, nur weil dort eine tolle Fankultur herrscht. Davon abgesehen haben wir hier fantastische Fans, die uns enorm pushen. Und manchmal liegt das auch gar nicht im Ermessen des Spielers. Der Verein muss das in die Wege leiten. Nach meinem Abitur hatte ich damals beispielsweise gar keine andere Wahl. Ich hätte bei meinem Heimatverein weiter mit meinen Kumpels in der 5. Liga spielen können, oder mich Hoffenheim anschließen können. Dass es gerade Hoffenheim war, war vermutlich einfach Zufall, aber ein außerordentlich guter für mich.

    Sie sind sich aber einer gewissen Diskrepanz zwischen RB Leipzig und den Traditionsvereinen bewusst?
    Ja, natürlich wird das in den Medien immer wieder so hervorgehoben. Klar – RB Leipzig gibt’s noch nicht lange, das ist uns allen bewusst. Aber das heißt nicht, dass wir hier nicht guten Fußball spielen und beginnen unsere eigene Geschichte zu schreiben. Wenn ich dann hier ins Stadion gehe, kann mir keiner mehr erzählen, dass RB Leipzig keine richtigen Fans hätte oder keine echte Euphorie auslösen könnte, weil es nur um irgendwelche Produkte gehen würde. Die Menschen identifizieren sich mit dem Klub und dem Fußball, für den wir als Mannschaft stehen. Für uns Spieler ist es dann auch egal, wie lange es den Verein schon gibt.

    Können Sie den Hass verstehen, den manche Fans Ihnen und RB Leipzig entgegenbringen?
    Nein, das kann ich nicht nachvollziehen. Fakt ist allerdings auch, dass wir immer mehr Akzeptanz und Respekt entgegengebracht bekommen. Ich kann vielleicht ein Stück weit verstehen, dass man RB Leipzig aus einer kritischen Perspektive betrachtet. Der Verein ist vor allem mit einem guten Start­kapital ausgestattet worden, ansonsten hätte das alles nicht so schnell und professionell funktioniert. Dennoch braucht man hierzu auch eine ganz klare Philosophie und ein entsprechendes Konzept.
    Aus­schrei­tungen wie in Dortmund, bei denen Fans unserer Mannschaft angegriffen wurden, haben nichts mehr mit Fußball zu tun. Wobei diese Art von Gewalt woanders auch auftreten kann, wie zahlreiche andere Vorfälle in der Liga belegen.
    Für uns Spieler ist das aber selten richtig wahrnehmbar. Im Grunde ist dieses Thema aber leider ein gesellschaftliches und ligaweites Problem, das wir nicht exklusiv haben.

    Wie viel bekommt man als Spieler von den Fans mit?
    Von den Fans im Stadion bekommen wir natürlich viel mit. Aber beispielsweise in Dortmund haben wir gar nicht mitbekommen, dass es da Aus­schreitungen gab. Wir waren nur auf die 90 Minuten Spiel fokussiert.

    Sind Fußballer überbezahlt?
    Wir Fußballer wissen, dass wir in einer wachsenden Branche arbeiten, in der man viel Geld verdienen kann. Die Nachfrage nach gutem Fußball ist aber nun einmal riesengroß und davon profitieren wir. Das ist uns Spielern bewusst und bringt uns natürlich in eine sehr privilegierte Lage. Man muss aber auch bedenken, dass es auch nur ein minimaler Prozentsatz in diesen Bereich schafft.
    Manche Spieler haben schon einen gewissen Sonderstatus. Vielleicht vergleichbar mit einem Popstar. Uns erwarten bei Auswärtsfahrten Fans schon vor dem Hotel, in der Stadt werden wir überall erkannt – dabei sind wir ja gerade mal ein Jahr in der Bundesliga.

    Wie viel Red Bull trinken Sie?
    Heute noch keins, gestern noch keins… (lacht) Also wir trinken das immer wieder, aber es gehört nicht zu meinem täglichen Bedarf dazu.

    Würden Sie als Sportler empfehlen, Red Bull zu trinken?
    Das muss jeder mit sich selber ausmachen. Es gibt Spieler, für die ist so etwas vor dem Spiel eine Art Ritual, aber die Vorbereitung macht jeder für sich individuell.