• Hochschulpolitik
  • Jura statt Schreibpraxis

    Von Luise Mosig

    Erste Reformpläne für den Master Journalistik

    Im April verhängte die Universität Leipzig ei­nen überraschenden Immatriku­la­ti­ons­­stopp für den Master­studiengang Journalistik, mit der Begründung, ihn umfassend reformieren zu wollen. Zu diesem Zweck wurde eine Reformkommission ins Leben gerufen, die unter der Leitung des Studiendekans der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, Thomas Kater, die Umstrukturierung vor­anbringen soll. Die ersten Ergeb­nisse wurden nun in einer Fa­kul­tätsratssitzung vorgestellt.

    Als eine Möglichkeit sieht die Kommission einen Master mit dem Schwerpunkt Recht. Bewerber müssten dann ein juristisches Examen nachweisen, um immatrikuliert werden zu können. Eine weitere Option wäre ein Master mit dem Schwerpunkt Datenrecherche. Laut Kater würde dieses Modell eine Ausbildungslücke in Deutschland füllen, da ähnliche Angebote auf bundesweiter Ebene kaum zu finden seien.

    Die Aufgabe der Reformkommission besteht nicht nur darin, einen inhaltlichen Rahmen für den Master zu stecken, sondern auch die Feinheiten des Ausbildungsmodells zu klären. So wird es voraussichtlich keine großen Kapazitäten mehr für das praxisnahe Schreiben, Sprechen und Filmen geben. Grundkennt­nisse der Journalistik müss­ten die Studenten durch Praxiserfahrung selbst mitbringen. Wie genau die aussehen soll, ist noch nicht festgelegt.

    Die Reformkommission diskutiert auch, ob in den Bachelor Kommunikations- und Medienwissenschaft (KMW) eine Journalistik-Vertiefung eingebaut werden soll, zum Beispiel in Form eines Wahlfachs. Dies könne dann als Vorbereitung auf den Journalistik-Master dienen. Der neue Studienverlaufsplan soll über den Sommer fertiggestellt werden.

    Sicher ist allerdings, dass der Personalmangel in der Journalistik bestehen bleibt. „Mehr Stellen wird es nicht geben“, ließ Kater gleich zu Beginn der Verhandlungen in einer Pressemitteilung der Universität ver­lauten. Journalistik-Abteilungs­­leiter Professor Marcel Machill übt in einem Interview mit dem Branchenmagazin „kress.de“ star­ke Kritik an der Personalpolitik der Uni. Die „dilettantische Personalplanung“ zeige, „dass Journalistik als eigenständiges Fach nicht gewollt ist. Nun klagt das Dekanat über Defizite bei der Ausbildung. Ein Witz ist das.“

    Derweil hat der KMW-Fachschaftsrat zum plötzlichen Imma­trikulationsstopp und den Re­formplänen Stellung ge­nom­men: „Grundsätzlich begrüßen wir diesen Schritt“, verkündet Sprecherin Bettina Knauer. Dennoch kritisiert der Fachschaftsrat die Informationspolitik des Fakultätsrates: „Ein Großteil der Studierenden hat die Information über den Immatrikulationsstopp aus den Medien erfahren müssen. Eine Entscheidung im Eilverfahren und Aufklärung durch Dritte empfinden wir als unfair sowie unprofessionell.“ Trotz aller aktuellen Unklarheiten und der vielen Streitpunkte über die Zukunft der Journalistik soll im Frühjahr 2018 eine Bewerbung für den Journalistik-Masterstudiengang wieder möglich sein.

     

    Foto: mz