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  • Der Dschungel ruft

    Von Sophie Roßberg

    Filmrezension: Die versunkene Stadt Z

    Nach dem erfolgreichen Film 12 Years a Slave haben sich die renommierten Produzenten Jeremy Kleiner, Dede Gardener und Anthony Katagas nochmals auf der Leinwand verewigt. In Die versunkene Stadt Z geht es in die Untiefen des Dschungels. David Granns Roman The Lost City of Z dient als literarische Vorlage. Dennoch gibt es gleichfalls einen historischen Hintergrund für den gleichnamigen Film. Alles, so wird es angegeben, ist based on a true story. Das ist nicht bloßes Stilmittel, um die Authentizität zu steigern, sondern Historie und Fiktion vermischen sich ohne Verluste zu einem Historiendrama, das nicht nur auf der Berlinale Anklang finden sollte.

    Charlie Hunnam als Percival Fawcett auf Expedition im südamerikanischen Dschungel

    Charlie Hunnam als Percival Fawcett auf Expedition im südamerikanischen Dschungel

    Die Geschichte beginnt im Jahre 1906 im glorreichen aber brüchigen British Empire, genauer gesagt in Schottland. Der Film verfolgt die (Lebens-)Geschichte des Forschers und Militärs Percival Fawcett, gespielt von Charlie Hunnam (bekannt aus Sons of Anarchy). Er erhält den Auftag mit seinem Kompagnon Henry Costin (herausragend verkörpert durch den ehemaligen Vampir Robert Pattinson) in Bolivien die Quelle des Rio Verde zu finden und die Weltkarte eines weiteren weißen Fleck zu berauben.

    Das Drama bietet weitaus mehr als nur hübsch anmutende Bilder und Abenteuerlust. Aspekte wie Feminismus, Familienbilder, Gesellschaft, Krieg und soziokulturelle Probleme werden innerhalb der Rahmenhandlung gleichermaßen zum Thema. Die Frage, ob die Ehefrau Nina Fawcett ihren Mann begleiten kann oder darf, dient als Aufhänger für Gedanken rund um Familie und Frauenbilder. Der Erste Weltkrieg ist Schauplatz unmenschlichen Gemetzels und für den Forscher Fawcett nur eine unangenehme Zwischenstation. Ebenso unangenehm ist das Weltbild zu jener Zeit, dessen Erklärung und Visualisierung viele Szenen des Films einnimmt und die Ideologie des British Empire aufzeigt. Fawcetts anhaltender Glaube an eine untergegangene Kultur lässt die Phantasie schweben und lässt ihn in die Ferne entfliehen. Der Zuschauer, dem die zweieinhalb Stunden Spielzeit durch die unheimlich gut erzeugte Spannung kaum auffallen, reist ohne zu zögern mit. Man wird förmlich in den Urwald und in die Edwardian Era hineingesogen. Nicht zuletzt ist die schauspielerische Leistung ein Grund dafür. Die Lust zu verreisen ist nur eine positive Nebenwirkung des Films. Die Faszination, mit welch einfacher Ausrüstung und uns unverständlicher Leichtfüßigkeit bzw. Blauäugigkeit die Abenteurer den Amazonas betreten, ist Spannung und Bewunderung in einem.

     

    Im Kino ab: 30.03.2017

     

    Fotos: Studiocanal GmbH Filmverleih