• Kultur
  • Alles so schön bunt hier

    Von Alexander Sinoviev

    Ausstellung über Nolde und „Die Brücke“ im Museum der bildenden Künste Leipzig

    Dresden ist eine mit vielen Brücken gesegnete Stadt. Neben den berühmten Ausfertigungen aus Stein, „dem blauen Wunder“ oder der Augustusbrücke, ist Dresden sogar Heimat einer Brücke, welche der Malerei in die Moderne verhalf. Gemeint ist der erste expressionistische Kunstverein,“Die Brücke“, welcher hier im Jahre 1905 von Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl und Karl Schmitt Rotloff gegründet wurde. Später stieß auch Emil Nolde hinzu, der „Die Brücke“ bedeutend prägen sollte. Dieser Gruppe zu Ehren eröffnete am Sonntag ein Ausstellung im Museum der bildenden Künste in Leipzig.

    Der Zusammenschluss der Künstler war als Gegenentwurf zur tradierten Kunstformen gedacht. Die Mitstreiter waren ausgebildete Architekten und brachten sich die Malerei autodidaktisch bei.

    Die Gruppe verfolgte kein ausgeklügeltes Leitbild, sondern sollte im buchstäblichen Sinne eine Brücke verschiedener, unkonventioneller Künstler und Stilrichtungen sein. Sie bilden nicht 1:1 nach erratischen Zeichenmethoden die Natur ab, viel mehr illustrieren sie das Innenleben des Künstlers, wenn zum Beispiel Bleyl die Augustusbrücke im Nebel malt. Sie malen Konturen die in bunten Farben verwischen. Die Natur und Menschen dienen Ihnen als Inspiration.

    Wer sich näher mit der Geschichte der Gruppierung auseinandersetzen will, dem sei das Buch des Kunsthistorikers Gerd Presler „Die Brücke“ empfohlen.

    Vor allem die Gesichter der abgebildeten Menschen bleiben nach dem Ausstellungsbesuch in der Erinnerung zurück. Sie kommen einem so nahe wie die Close-ups von Cowboys in einem Italo Western. Oder eben der Pfeife rauchende Schweizer von Max Pechstein oder die Liegende Frau im weißen Hemd von Ernst Ludwig Kirchner: Eine ältere Diva, die sich lasziv räkelnd, vom knalligen Rot des Canapés umhüllt wird.

    Farbenfroh sind auch die Gesichter in Noldes „Verspottung“, was die Bösartigkeit der Fratzen aber sogar auf eine eigentümliche Art verstärkt und man sich vorzustellen im Stande ist, dass diese Herrschaften in heutigen Zeiten so manchen Shitstorm auf Facebook anführen.

    Die Kraft der Farbe zieht sich als Leitmotiv durch alle Bilder Noldes in der Ausstellung. Wunderschön lässt sich dieses Credo an Noldes Binnensee zu sehen, einem wahren kolorierten Tupffestival, welches zu einem Bad der Fantasie anregt. Schade, dass Gewässer nur in der Gedankenwelt so farbenprächtig erscheinen.

    Der Besucher wird durch die verschiedensten Ausdrucksformen der bildenden Kunst geführt: Von der Lithografie, über den Holzschnitt bis zum Ölgemeinde und dem Aquarell werden sind die verschiedenen Darstellungsweisen der Künstler aufgezeigt.Ein gesonderter Raum beschäftigt sich mit den wenigen Exponaten, die von den Nazis übersehen und nicht als „entartet“ eingestuft wurden Für einen Sonntagsausflug in die Welt der Formen und Farben und zur Kontemplation ist diese Ausstellung, welche noch bis zum 18. Juni geöffnet hat, bestens geeignet.

     

    Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstraße 10

    Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr, Mittwoch 12 – 20 Uhr, Montag geschlossen

     

    Bild oben: Erich Heckel, Marschland (Dangast), 1907, Brücke-Museum Berlin, Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen