• Kultur
  • Alte Männer, Hipster und ‚Provokation‘

    Von Eric Caspar

    Hammerhead, F*cking Angry, Sick Times – Ein Bericht aus der Chemiefabrik Dresden

    Es kommt ja immer wieder vor, dass die musikalischen Helden von Früher sich wieder zusammentun und noch mal eine EP aufnehmen und eine Tour ankündigen. Meistens ist den besagten Menschen einfach das Geld ausgegangen. Als sich „The Only Hardcorepunkband Of The 90er“, Hammerhead im Jahr 2011 wiedervereinigten, schien das nicht der Fall zu sein: Helden waren diese Band sicher nur für einige Wenige und richtig viel Geld verdienen lässt sich mit diesem Schrott sicher auch nicht.

    In Dresden zeigte sich dann jedoch ein anderes Bild, denn die bis zum Bersten volle Chemiefabrik sprach dafür, dass sich der Bekanntheitsgrad, sicher auch durch die bandeigene DVD-Dokumentation „Sterbt Alle!“, enorm erhöht hatte. Alles voller Punks und „Punketten“ (ein wunderbarer Begriff von Sänger Tobias Scheiße), so das sicher auch die eine oder andere Mark in die Kasse rollte. Während die Band aufbaut, bekam ich ein Gespräch zwischen einigen dieser Punks und Punketten mit. Einem Menschen, dessen Mütze seinen Kopf nur gerade so berührte, dass sie eher wie eine Kippa wirkte, passte das Aussehen von „Herrn Scheiße“ nicht. Dieser sehe ja „voll aus wie’n Hipster“. Eine schöne Ironie, die sich nahtlos in die ironischen Texte und das ironische Gehabe von Hammerhead einfügte. Trotz dieser Kritik war der ganze Saal vom ersten Takt an in Bewegung. Dabei war es vollkommen egal, ob die alten Klassiker, wie „Handgranate“ oder „Assihochhäuser“ gespielt wurden, oder die Stücke der im letzten Jahr erschienen EP „Opa war in Ordnung“: ganz wie früher war der Auftritt hart, schnell und kompromisslos. Die schnellen Gitarren, das komplett unprofessionelle Schlagzeugspiel, der kaum zu verstehende Gesang zeigten vor allem auf, was so langweilig an der aktuellen Hardcore-Szene ist: das ganze Gequatsche über Szene, Genres und Kunst. Dass gerade die alten Männer von Hammerhead so etwas verdeutlichen, dürfte jedem einleuchten, dem die Band schon länger bekannt ist. Hammerhead haben auf „Szene“ immer gern verzichtet. Dem Rest bleibt wohl nur übrig, sich über das Shirt des Sängers aufzuregen. Aber wer Hardcore heute so auf die Bühne bringt, kann tragen was er will. Jeder gepiercte Mini-Mützen-Träger sollte sich da respektvoll bedeckt halten.

    Wessen Interesse jetzt geweckt wurde, dem sei angeraten sich zu den nächsten Shows der Hammerhead No-Future-Tour in Magdeburg oder Potsdam zu begeben, sich die komplette Diskografie zu besorgen und die Band-Dokumentation „Sterbt Alle!“ anzuschauen. Die Nostalgiker können hier deutsche Punkklassik erleben, die Unbedarften erleben, wie es „Früher-mal-war“. Und gemeinsam dürfen wir uns freuen, denn die Band macht das Versprechen „Immer weiter“ auch 2017 wahr.

    Postskript: Warum dieser Text keine Erwähnung der Vorbands enthält? Weil sie nur eine Frage aufgeworfen haben: Was hat sich der Booker denn dabei gedacht? Keine Erwähnung wert!

    15822689_1271721456220535_4056636848804372957_nNächste Tourdaten: am 09.06. in Magedburg und am 10.06. in Potsdam