• Hochschulpolitik
  • „Ich werde wie eine Löwin für die Uni kämpfen“

    Von Luise Mosig

    Schücking als Rektorin der Universität Leipzig wiedergewählt

    Gestern Nachmittag ist Prof. Dr. med. Beate Schücking als Rektorin der Universität Leipzig wiedergewählt worden. Erst im dritten Wahlgang stimmte der Erweiterte Senat mit einer knappen Mehrheit von 44 Stimmen für Schücking. Ihr Gegner Palmowski erhielt 23 Stimmen. Acht Wahlberechtigte enthielten sich. Drei Stimmen waren ungültig.

    Weder im ersten, noch im zweiten Wahlgang hatte es für die absolute Mehrheit eines Kandidaten gereicht.

    Während der knapp zweieinhalb Stunden dauernden Wahlveranstaltung hatte jeder Kandidat zehn Minuten Zeit, um seine Vorstellungsrede zu halten. Danach gab es die Möglichkeit, Schücking und Palmowski jeweils 20 Minuten lang Fragen zu stellen.

    Der aus Niedersachsen stammende Prof. Dr. Jan Palmowski, derzeit Professor für Neuere Geschichte und Vizepräsident an der University of Warwick (England), betonte in seiner Rede die Wichtigkeit, die Exzellenzstrategie weiterzuverfolgen: „Dazu gehören zum Beispiel Kooperationen mit den Universitäten in Halle und Jena sowie Stellenförderung.“ Weiterhin legte er den Fokus auf die forschungsorientierte Lehre, seine Gleichstellungsstrategie und die Internationalisierung der Universität Leipzig. Den in den neuen Zuschussvereinbarungen festgelegten Abbau der Studierendenzahlen bis zum Studienjahr 2024/25 sieht Palmowski problematisch.

    Auf die Frage, warum gerade er für das Rektorenamt geeignet sei, konnte Palmowski nur eine schwammige Antwort geben: „Ich kann Ideen zusammenbringen und handle pragmatisch.“

    Schücking dagegen trat deutlich sprech- und antwortsicherer auf. Doch auf eine Frage nach mehr Demokratie in der Universität Leipzig, insbesondere in Bezug auf die Kommunikation zwischen Studierenden und Führungsgremien, konnte auch sie nur ein standardisiertes Zugeständnis machen: „Ich biete Ihnen natürlich an, enger zusammenzuarbeiten.“

    In ihrer Vorstellungsrede hob Schücking die vier Ziele ihrer zweiten Amtszeit hervor: Forschungsförderung, Lehrinnovation, Transferausbau und Struktur- und Prozessoptimierung. Im Umgang mit der aktuellen Problematik der zukünftigen Langzeitstudiengebühren wolle sie „die sozialverträglichste Art und Weise“ finden, diese zu lösen. Sie sehe hier wenig Handlungsspielraum, da die Universität Leipzig an das Hochschulgesetz gebunden sei.

    Schückings Zukunftsidee für die Leipziger Hochschule basiert darauf, die Merkmale, die diese auszeichnen, noch zu verstärken: „Das Gleichgewicht zwischen Medizin, Geistes- und Naturwissenschaften zu halten, ist mir besonders wichtig. Ich stehe für eine ausgewogene Fächerstruktur.“

    So wie erst Palmowski wurde auch Schücking nach ihren überzeugenden Eigenschaften für das Rektorenamt gefragt. Ihre Antwort: „Ich stehe für Kontinuität. Sie haben die Sicherheit, dass ich das, was ich angefangen habe, auch weiterführe. Ich werde wie eine Löwin für die Universität kämpfen.“

    Humorvoll appellierte sie an den Erweiterten Senat: „Durch meine Arbeit in den letzten sechs Jahren habe ich viel Erfahrung gesammelt. Diese kann ich nun zum Nutzen der Universität anwenden, wenn Sie mich wählen. Wählen Sie mich nicht, so werde ich trotzdem davon profitieren.“

    Der Stura Leipzig begrüßt den gestrigen Wahlausgang. „Die Studierendenschaft hat nun Klarheit darüber, wie es an der Universität weitergeht. Ebenso können wir nun wieder auf eine profunde Zusammenarbeit mit dem Rektorat hoffen. Genügend Baustellen sind an der Uni Leipzig vorhanden.“, so Sebastian Adam, Geschäftsführer des Stura.

    Letztendlich hat Kontinuität über Neubeginn gesiegt. Schückings langjährige Erfahrung als Rektorin und ihre klar formulierten Ziele haben für einen erneuten Wahlsieg gereicht. Vollständig überzeugt hat sie den Erweiterten Senat allerdings bei Weitem nicht. Das zeigt die vergleichsweise hohe Zahl von Enthaltungen im ersten Wahlgang und auch die Tatsache, dass überhaupt erst drei Wahlgänge nötig waren. Palmowskis Schwächen lagen sowohl in seinen oberflächlich formulierten Zielen, denen es teilweise an konkreten Maßnahmen fehlte, als auch in seiner Unerfahrenheit mit dem deutschen Hochschulsystem. Immerhin arbeitet er seit rund 30 Jahren in England und sieht Deutschland „wohl eher aus den Augen eines Ausländers.“  Die Einarbeitung Palmowskis in die Aufgabenfelder eines Rektors wäre folglich eine besondere Herausforderung gewesen.

    Aus politischer Sicht war die Wahl interessant. Mehrere Medien hatten im Vorfeld der gescheiterten Wahl 2016 berichtet, Schücking sei bei der konservativen Landesregierung unbeliebt und deshalb nicht zur Wahl zugelassen worden. Die Landtagsabgeordneten Claudia Maicher (Grüne) und Holger Mann (SPD) äußerten sich noch gestern optimistisch über den Ausgang der Wahl und gratulierten Schücking. Maicher: „Ich bin mir sicher, dass sie auch weiterhin eine starke Stimme in der sächsischen Hochschulpolitik sein wird. Das ist gut so. Trotz unzureichender Grundfinanzierung steigen die Aufgaben im Bereich Gleichstellung, Internationalisierung und Inklusion. Es gibt viel zu tun.“ Mann: „Die Wahl ist eine Bestätigung für das erfolgreiche Wirken des Rektorates in den letzten Jahren. Sie steht für Kontinuität und die positive Weiterentwicklung der Hochschule.“ Von anderen Landtagsfraktionen gab es bis Redaktionsschluss keine Stellungnahmen.

    Schückings neue Amtszeit beginnt Anfang März. Da jeder Amtsinhaber einmal wiedergewählt werden darf, sind dies ihre letzten fünf Jahre als Rektorin der Universität Leipzig.

     

    Das war die gescheiterte Wahl 2016

    Foto: Juliane Siegert