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    Dennis Hänel

    Heaven Shall Burn – Wanderer

    Heaven Shall Burn (HSB) waren noch nie für ruhige Meeresrausch-Klänge bekannt. Eher für das Gegenteil, nämlich akustische Gewalt. Mit dem neuen Album Wanderer setzen sie diesen Weg konsequent fort und  legen eine ordentliche Ansage vor. Das vorherige Album von 2013 Veto, war schon groß, doch die neue Platte kann da nochmal gut eine Schippe drauflegen.

    Wenn du dir den Albumtitel und das dazugehörige Cover zu Gemüte führst, auf dem ein isländischer Felsen bei Sonnenuntergang zu sehen ist, wirst du vermutlich erstmal an Ruhe und Besinnlichkeit denken. Wenn dir die Band und ihre Musik jedoch schon bekannt sind, wirst du vermutlich denken, dass stille Wasser besonders tief sind oder dass das nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Und genau das passiert, wenn du die Scheibe einlegst.

    Der erste Song ist ein verlängertes Intro, doch dann wird dir mit Bring the war home direkt das dickste Brett des Albums um die Ohren geprügelt. Auch dieses mal sind HSB ihrer Tradition treu geblieben, ihre politischen Botschaften direkt mit zu servieren, jedoch etwas zurückhaltender als gewohnt. Man muss sich ja erstmal irgendwie sammeln und in Ruhe darüber nachdenken, Wanderer und so. Bring the war home erzählt von der Rückkehr aus einem sinnlosen Krieg, welcher der Protagonist nicht aus seinem Kopf bekommt. Die Textzeilen „I brought justice to no one“ und „there is no war to end all wars“ bleiben hängen. Es geht weiter mit They shall not pass, auch hier wird die volle Ladung aufgefahren um dir das Trommelfell zu malträtieren. Inhaltlich geht es um eine faschistische Bewegung in London während der 30er Jahre, die von der Bevölkerung schließlich unsanft aus dem Stadtteil herausgebeten wurde. Etwaige Ähnlichkeiten zu gewissen Gruppierungen aus Sachsen sind rein zufällig. Die Marschgeräusche begleitend zu den Drums, geben dir denn den Rest. Der vierte Track ist Passage of the crane, der den Durchmarsch würdig fortsetzt. Doch auch nach diesen drei herausragenden Tracks, geht es bis zum Ende hin stark weiter und wird dir garantiert nicht langweilig. Die Songs haben den altbekannten Charakter einer akustischen Wand etwas zurückgefahren, sind dafür markanter, dynamischer und auch klarer als auf vorherigen Alben. Deshalb ist Wanderer auch zugänglicher. Wenn ihr HSB schon kennt, solltet ihr aber im Großen und Ganzen nicht viel neues erwarten. Abgesehen von den erwähnten Änderungen ist HSB immer noch HSB und genau das, was ihr mit den fünf Leuten verbindet, die aus einem kleinen Ort in Thüringen heraus den deutschen Metalcore maßgeblich prägten.

     

    PS: Sollte der Geldbeutel etwas lockerer sitzen, kannst du dir die Limited-Edition gönnen, die mit einer zweiten CD voller Coverversionen daherkommt.

     

    Preis auf Amazon: 17.99€ (Ltd.), 14,99€ (Standard)

    Veröffentlichung: 16.9.

    Foto: heavenshallburn.com