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  • A Day to Remember – Bad Vibrations

    Dennis Hänel

    Das Glas ist nur halbvoll.

    Nach dreijähriger Abwesenheit sind „A Day to Remember“ (ADTR) mal wieder mit einem Album am Start. Und eines vorweg: es ist sogar ziemlich gut! Jedoch mit einem großen „aber“, denn die Platte hat ein ganz entschiedenes Problem. Nämlich, dass ihr nach der Hälfte unvermittelt die Puste ausgeht.

    Wenn du noch nie etwas von ADTR gehört hast, die Band ist dafür bekannt Metalcore und Hardcore mit Pop Punk zu kombinieren. Jedoch nicht unbedingt innerhalb der Songs, sondern innerhalb eines Albums, der eine Song so, der andere so.  Wenn du also eher auf schnelle Riffs stehst, wirst du mit den Pop Punk Tracks nicht viel anfangen können, es sei denn natürlich, du magst beides. Bist du hingegen von der Sorte „ich höre nur wahren Metal“, solltest du ADTR sowieso eher meiden. Aber das kannst du deinem Friseur erzählen, zu dem du aber wahrscheinlich ohnehin nicht gehst, wenn du nur „wahren“ Metal hörst.

    Ok zurück zum Thema. ADTR ist also ein musikalischer Hybrid. Das birgt natürlich das Risiko, dass ihre Alben nicht alle Hörer zufriedenstellen können und immer irgendjemand etwas zu nörgeln hat. Bei Bad Vibrations auch zu recht.

    Die LP beginnt mit den beiden Songs Bad Vibrations und Paranoia. Beide wurden im Vorfeld veröffentlicht und erstgenannter Song hatte mich neugierig gemacht. Ich muss dazu sagen, dass ich ADTR bisher nur marginal konsumiert habe. Der zweite Song Paranoia hat mich dann aber mit Anlauf überzeugt. Was für ein Brett – fette Hardcore Riffs und ein äußerst eingängiger Refrain, was einen sofort an Beartooth – Beaten in Lips erinnert.

    Mit Exposed, Bullfight und Ressemble geht es dann weiter in Richtung Metalcore. Die Breakdown- Dichte ist hoch und selbige knallen auch gut rein – so wünscht man sich das. Bis hierhin super Album, Erwartungen erfüllt, Kauf gerechtfertigt.

    Doch dann kommt Justified. Klarer Fall von Pop Punk, aber in extra schnarchig. Ich hab den Song einmal komplett angehört. Die Breakdowns in der Mitte des Songs wirken äußert deplatziert und können dann auch nichts mehr retten. Die Ballade We got this zündet auch nicht, aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich jetzt nicht so der Highschool- Pop Punk Fan bin. Es folgt Same about you, der mich aus der Schlafsequenz wieder herausgeholt hat und sogar ein paar Emotionen erzeugt. Besonders das Gitarrensolo fetzt ganz gut. Turn off the Radio klingt zwar ganz gut , wirkt aber gleichzeitig arg einfallslos. Es folgen zwei weitere nach „Schema F“ abgespulte Songs und das Album erreicht seinen Tiefpunkt schließlich im 13. und letzten Track, In Florida. Wie schon gesagt, ich kann mit Pop Punk nicht so viel anfangen, doch selbst wenn du dahingehend affin bist, wird dich die Platte enttäuschen. Magst du dagegen härtere Sachen, könntest du mit dem Album deine Freude haben, allerdings eben nur mit 50% davon.

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    Preis lt. Amazon: 16,99 €         Album erschienen am 2. September

    Am 31. Januar kommen ADTR nach Leipzig ins Haus Auensee.