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  • Jennifer Rostock – Genau in diesem Ton

    Dennis Hänel

    Jetzt auch in politisch erhältlich.

    Aufgepasst: Jennifer Rostock ist jetzt politisch! Das Ganze deswegen gleich als Punk zu bezeichnen, wäre aber immer noch etwas zu weit gegriffen. Denn gerade in Sachen Tempo wurde einiges an Drive herausgenommen, zumindest im Vergleich zu der letzten LP Schlaflos. Ruhige Passagen und elektronische Untermalungen sind dagegen gesteigert vorhanden, was die Platte etwas abwechslungsreicher macht als die vorherigen Werke der Band.

    Aber zurück zur Politik. Nachdem die Band ja mit ihrem Anti-AfD-Song im Vorfeld für Aufmerksamkeit sorgte und damit ihr Album gehörig promoted hat, war es bereits abzusehen, dass es dieses Mal politischer wird. Bisher umspannten die Texte eher Themen wie Freiheit, Gefühle und Abstrakte Situationen, die jeder irgendwie kennt, die beim Anhören aber nicht weiter hängenbleiben. Was aber nicht bedeutet, dass sie uninspiriert wären – ganz im Gegenteil.

    Beschränkte sich der politische Teil des Vorgängeralbums noch auf unterschwellige Gentrifizierungskritik, werden auf Genau in diesem Ton die Themen Sexismus und Flüchtlinge in drei Songs konkret behandelt.

    Wir sind nicht von hier nimmt dabei auf die Flüchtlingsthematik Bezug. Botschaft ist: „Wir Teilen uns diese Erde – wir teilen uns noch’n Bier“ im Grunde ganz solide Aussage – kann man machen. Mit Silikon gegen Sexismus und Hengstin wird sich dann dem anderen Thema gewidmet

    Der Song Hengstin ist jedoch nicht ganz so solide. Er versucht ein Loblied auf das weibliche Geschlecht zu sein – ist aber eher zum fremd schämen. Auffällig ist vor allem, dass er von einem äußerst mäßigem Elektro- Background begleitet wird. Wenn man böse wäre, könnte man meinen die drei Herren der Band hatten keine Lust daran mitzuwirken – aber das ist natürlich Unsinn.

    Aber keine Sorge, auch auf der neuen Platte ist die Gentrifizierungskritik im Song Baukräne wieder mit dabei. Das ist meiner Meinung nach auch der stärkste Song des Albums. Auch selbstkritische Kulturkritik ist im Song Uns gehört die Nacht am Start.

    Doch eigentlich ist Genau in diesem Ton exakt das, was du von Jennifer Rostock erwartest. Ein bisschen Punk, ein wenig Hardcore und etwas Ballade. Die richtigen Ohrwürmer fehlen jedoch irgendwie. Für mich ist Jennifer Rostock nach wie vor nicht die Band, die besonders politisch ist oder über die großen Probleme der Menschheit singt, sondern eher über die der Generation Y, also eben Gefühle, Freiheit und zu hohe Mieten.

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    Preis lt. Amazon: 11,99€  Veröffentlichung: 9.9.

    Titelfoto: jennifer-rostock.de