• Reportage
  • Wer braucht schon kritisches Denken?

    Jonas Nayda

    Der Hallesche Stura schießt sich selbst ins Knie.

    Dies ist ein Kommentar zum Artikel „Pressefreiheit in Gefahr“.

    Wozu gibt es eine Uni­zeitung? Der Stura der Martin-Luther-Universität Halle scheint das für sich geklärt zu haben: Für seichte Nachberichterstattung von erfolgreichen Uniwahlen natürlich. Gerne auch mal für eine Veranstaltungsankündigung – Sturapartys geben doch immer wirklich spannenden Stoff für journalistisch hochwertige Texte.
    Doch wenn in einem Artikel mal der Stura kritisiert wird, wie neulich in einem Onlineartikel der „hastuzeit“, dann läuten bei den Damen und Herren des hohen Rates die Alarmglocken. Auf einmal kommt Bewegung in die sonst so träge Runde. Eilig werden Satzungsänderungen vorgeschla­gen, die für jeden ver­nünftigen Menschen ein­fach nur Bullshit sind. Aus heiterem Himmel soll an der Uni Halle die Pressefreiheit abgeschafft werden. Was der Stura fordert, ist nichts anderes als die Kapitulation nach einem Krieg, der überhaupt nicht statt­gefunden hat. Mit Reparationszahlungen, Demilitarisierung und nachhaltiger Kon­trolle durch die Siegermacht.
    Nur sind in Halle die Seiten vertauscht. Der Stura möchte nicht nur die Presse, also die „hastuzeit“ zensieren, sondern auch kritische Stimmen in den eigenen Reihen im Keim ersticken. Damit beweist er, wie wenig er von Pressefreiheit ver­steht.
    Eine gute Unizeitung kann nur existieren, wenn sie vollkommen frei über jedes Thema schreiben darf, das sich anbietet. Es darf keinen Stura geben, der die Wahl des Chefredakteurs nach Belieben kontrolliert. Es darf erst recht keinen Aufsichtsrat geben, der über die Köpfe der Redaktion hinweg Entscheidungen trifft. Eine unabhängige Zeitung, die den Stura kritisch hinterfragt und verschiedene Perspektiven darstellt, ist unabdingbar für ein aufgeklärtes Campusklima. Ohne kontroverse Meinungen kann es keine fruchtbare Diskussionskultur ge­ben, die doch das A und O jeder Universität ist.
    Dem Stura geht es nur um Geld und einen guten Ruf. Geld kann man nie genug haben und den guten Ruf haben sie in Halle längst verloren. Es ist einfach lächerlich, wie nun in bester George-Orwell-1984-Ma­nier versucht wird, den „Schutz“ der „hastuzeit“ als Motiv vorzutäuschen.
    Jedes Mitglied, das für eine Satzungsänderung der hastuzeit und damit gegen die Pressefreiheit gestimmt hat, sollte seine Stimme widerrufen und anschließend aus dem Rat austreten. Der Stura der Uni Halle ist eine Farce.

     

    Flattr this