• Kultur
  • Strom statt Melancholie

    Dennis Hänel

    Salvation klingt nach Elektropop.

    Madeline Juno. Die meisten haben von der jungen Offenburgerin vermutlich noch nie gehört. Ihre Musik ist kein bis zur Vergessenheit durch die Charts geprügeltes temporäres Konsumprodukt. Zumindest war das bisher so. Wenn jemandem die Sängerin im Gedächtnis geblieben ist, dann vermutlich bei ihrem Auftritt im Eurovision Songcontest Vorentscheid 2014 oder durch den Soundtrack zu „Fack ju Göthe“. Vielleicht haben manche Madeline aber auch auf YouTube entdeckt, wo sie ihre Karriere vor einigen Jahren im Alter von 14 Jahren begonnen hatte und dann entdeckt wurde.

    Madeline Juno macht Heart-Core. Eine Mischung aus Hardcore und Emotion. Ihr erstes Album „The Unknown“, das vor zwei Jahren erschien, war ein melancholisches Brett. Mit satten 16 Titeln schaffte sie mit leidvoll-graziler Stimme den akustischen Begleiter für jeden trüben Herbsttag oder Trennungsschmerz. Dabei erzählte sie mit jeder ihrer Balladen eine eigene Story über Schlaflosigkeit, Zweifel, Schmerz. Genau darin war sie großartig.

    Nun geht das zweite Album „Salvation“ an den Start. Madeline Junos Frisurveränderung steht dabei symbolisch für den vollzogenen Stilbruch. Hatte sie früher lange dunkle und natürliche Haare, trägt sie diese nun künstlich blondiert- silbern und kürzer. Klar, das wirkt erst mal selbstsicherer, aber eben auch nicht mehr authentisch. Das Künstliche steht hier für den elektronischen Input des neuen Albums.

    Die erste Single- Auskopplung „Into the Night“ machte noch Hoffnung, dass es genau dort weitergehen würde, wo das erste Album endete. Mit der zweiten Single „Stupid Girl“, deren Sound plötzlich positiv und kalifornisch war, wurde einem aber schnell bewusst, dass ihr Album dann doch anders werden würde. „Salvation“ ist in erster Linie Elektro-Pop – wie der von Ellie Goulding. Sogar ziemlich genau wie der von Ellie Goulding. Auch bei den ruhigeren Songs wie „Clichy“ oder „Youth“ erklingt der Elektro Background. Der wäre überhaupt nicht nötig gewesen.

    So ist ihr zweites Album zu elektronisch und zu künstlich. Vielleicht schafft sie es nun in die Charts, denn Elektropop verkauft sich gerade ziemlich gut. Aber auch wenn melancholische Balladen mit Akustikgitarren- Begleitung nicht ganz so „fancy“ sind, dann sind sie doch wenigstens authentisch.

    Aber „Salvation“ ist trotz der Kritik ein gutes und leichtgängiges Album, nur wer „The Unknown“ gehört hat, dürfte etwas anderes erwartet haben.

     

    „Salvation“ erschien am 26. Februar und ist für ca. 15 Euro überall zu haben.

    juno

    Foto: Madeline Juno/Facebook

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